Immer schön mitmachen, dann läuft der Laden – auch dann, wenn er längst gegen die Wand fährt. Reaper’s Revenge haben für diese Form der gepflegten Selbstaufgabe zwei neue Songs im Gepäck: Heute erscheint ihre brandneue Zwei-Track-Single „On The Run“ über NRT-Records. Die Amberger Heavy-Metal-Band verhandelt darauf die Frage, wie lange man sich fremde Regeln gefallen lässt, bevor man selbst die Reißleine zieht. Musikalisch liegen ihre Wurzeln zwischen klassischem Heavy Metal, melodischem Power Metal und der bissigeren Seite des Thrash Metal. Zum Titelstück gibt es ein neues Musikvideo mit Konzertaufnahmen aus dem Bühnenalltag des Quartetts. Der zweite Song „Nightmare“ führt anschließend dorthin, wo sich die Tür zum Ausgang besonders hartnäckig verschließt: in den eigenen Kopf.
„On The Run“: Der Lügenbetrieb braucht seine Mitläufer
Das Unangenehme an „On The Run“ ist die fehlende Ausrede. Der Erzähler kann den ganzen Schlamassel nicht bequem bei irgendwelchen anderen Leuten abladen, denn er hat selbst zugestimmt und damit seinen Teil beigetragen. Hohle Lehren, Lügen und die Aufforderung, gefälligst seine Rolle zu spielen, bilden die Kulisse für eine Ordnung, die von diesem Einverständnis lebt. Die Zeit läuft ab, das Gewissen gerät unter Beschuss, und die Gewöhnung an den Verfall erledigt den Rest. Welche konkreten politischen oder gesellschaftlichen Strukturen gemeint sind, lässt der Text offen; sein Ziel bleibt entsprechend breit. Seine schärfste Stelle liegt deshalb im Eingeständnis der eigenen Mitschuld. Mit „But not this time“ wird dieser Kreislauf schließlich aufgekündigt, und der Erzähler will jene Bindungen loswerden, die er nie selbst gewählt hat. Dass sich das Tor zur Flucht bald wieder schließen könnte, macht aus dem guten Vorsatz eine Entscheidung mit Ablaufdatum.

Heavy Metal mit Power, Thrash und eigener Handschrift
Zum musikalischen Selbstverständnis von Reaper’s Revenge gehört eine klare Verankerung im traditionellen Metal. Riffbetonte Gitarren, eingängige Melodien und treibende Rhythmen bilden den Rahmen für ihre Verbindung aus Heavy, Power und Thrash. Christopher „Flex“ Knauer übernimmt dabei Gitarre und Leadgesang, Hermann Weiß steht an der zweiten Gitarre, Christian Oppel spielt Bass und Thomas Seiferlein Schlagzeug. Die Musiker schreiben und produzieren ihr Material selbst und bestimmen damit auch, wie ihre Songs aus dem Proberaum auf die Veröffentlichung gelangen. Diese Arbeitsweise verbindet die aktuelle Single mit einer Diskografie, die inzwischen drei Studioalben und mehrere kürzere Veröffentlichungen umfasst. Zu den wiederkehrenden Themen gehören gesellschaftliche Fehlentwicklungen, menschliche Verantwortung und persönliche Grenzsituationen. Bei „On The Run“ bekommt dieser Ansatz einen passenden Gegenstand: die Erkenntnis, dass widerspruchsloses Mitmachen einen ziemlich hohen Preis haben kann.
„Nightmare“: Die Hölle hat keinen erreichbaren Ausgang
Mit „Nightmare“ wird aus dem gesellschaftlichen Druck eine innere Belagerung. Der Text beschreibt einen Menschen, dem die eigenen Gedanken jeden erreichbaren Ausweg verstellen und der für das Gute um ihn herum keinen Blick mehr findet. Schmerz und das Gefühl, Stück für Stück auseinandergerissen zu werden, bestimmen dieses Szenario. Die Bilder von Dunkelheit und zersetzendem Regen führen den drohenden Verlust des eigenen Selbst weiter aus. Dazwischen bleibt der wiederholte Ruf nach Hilfe, der bis zum Ende keine Antwort erhält. Die erhoffte Befreiung bleibt dem Erzähler ebenso verwehrt wie die tröstliche Pointe am Schluss. Genau dadurch ergänzt der Song das Aufbegehren des Titelstücks um dessen bitterere Kehrseite: Der Wunsch nach Befreiung genügt manchmal noch lange nicht, um den Ausgang tatsächlich zu finden. Beide Titel kreisen um Selbstbestimmung, erreichen dabei aber sehr unterschiedliche Punkte auf dem Weg dorthin.
Das neue Video bündelt drei Konzertstationen
Das Musikvideo zu „On The Run“ sammelt seine Bilder auf den Metalbühnen, auf denen Reaper’s Revenge unterwegs waren. Den Hauptanteil liefern Aufnahmen vom Pure Fucking Metal Festevil, die IridumStreams gefilmt haben. Weiteres Material stammt von Headbangers Birth und der Metal Night Grüna, wodurch mehrere Konzertstationen der aktuellen Besetzung zusammenkommen. Für die verwendeten Videoaufnahmen zeichnen IridumStreams und Jessica Steidl verantwortlich. Die Bearbeitung lag bei Benedikt Bockisch, der das Material für den neuen Clip zusammenführte. Im Mittelpunkt steht damit das Quartett bei seinen Auftritten vor dem Metalpublikum. Die Veröffentlichung erhält so auch einen Bezug zur Live-Geschichte der Band, deren Weg seit den frühen Jahren über Clubkonzerte, Supportshows und Festivalbühnen führt.

Drei Alben aus der Oberpfalz
Gegründet wurden Reaper’s Revenge 2013 im oberpfälzischen Amberg. Bereits 2014 stand mit „Wall Of Fear And Darkness“ das erste Album in der Diskografie, dem 2018 „Virtual Impulse“ und 2021 „Versus“ folgten. In diesen Jahren entwickelte die Band ihre Verbindung aus traditionellem Heavy Metal, melodischen Power-Metal-Anteilen und Thrash-Einflüssen weiter. Auftritte an der Seite von Axxis und Majesty gehörten zu den frühen Stationen; später kamen gemeinsame Bühnen mit Ambush hinzu. Die Beschäftigung mit gesellschaftlichen Verhältnissen zog sich dabei ebenso durch die Veröffentlichungen wie die eigenständige Produktion. Drei Studioalben bilden damit den Unterbau der heutigen Band, deren Geschichte mehrere Besetzungswechsel umfasst. Der Blick auf diese Veröffentlichungen erklärt auch, weshalb die aktuelle Single thematisch an eine längere Entwicklung anschließt.
Knauer übernimmt das Mikrofon, NRT-Records den Labelpart
Eine entscheidende Veränderung folgte auf den Ausstieg von Sänger Christian Bösl. Gitarrist Christopher „Flex“ Knauer übernahm zusätzlich den Leadgesang, und die Band setzte ihren Weg mit Hermann Weiß, Christian Oppel und Thomas Seiferlein als Quartett fort. Am 3. November 2024 stand diese Besetzung mit Mystic Prophecy und Iron Savior im VAZ Burglengenfeld auf der Bühne. Im Januar 2025 wurde die Zusammenarbeit mit NRT-Records besiegelt, worauf erneute Veröffentlichungen des bisherigen Katalogs und überarbeitete Fassungen der Musikvideos folgten. Die EP „Fire Force Devil“ erschien am 15. August 2025 und enthielt erstmals neues Studiomaterial mit Knauer als Leadsänger. Mit „Wisdom Drug“, dem Titeltrack und „Faults Proceeding“ nahmen die Musiker Desinformation, ökologische Verantwortungslosigkeit und den möglichen Kontrollverlust über künstliche Intelligenz ins Visier. Die Themenauswahl lässt sich durchaus als Bestandsaufnahme lesen: An Stoff für unangenehme Texte mangelt es dieser Welt offenbar nicht.
Nach „Taken By Night“ ist heute Schluss mit Stillhalten
Am 13. Februar 2026 folgte mit „Taken By Night“ die nächste Drei-Track-EP. „Future’s Gold“, der Titeltrack und „Starborn“ beschäftigten sich mit technischem Fortschritt, Sterblichkeit sowie wissenschaftlichen und religiösen Vorstellungen über die Entstehung der Existenz. Eine erweiterte Bandcamp-Ausgabe mit 24-Bit-Audio, digitalem Booklet, Musikvideo und Wallpapern erschien am 24. Juli 2026. Zu den Konzertstationen dieses Jahres zählte außerdem das Metal United Fest am 1. August in Obertraubling. Mit der heute erscheinenden, brandneuen Single „On The Run“ setzt das Quartett seine Arbeit nun mit zwei weiteren Songs und einem neuen Musikvideo fort. Dass dabei erneut die Frage nach Freiheit und dem eigenen Anteil an bedrückenden Zuständen auftaucht, passt zur bisherigen Linie der Band. Das Musikvideo zum Titelstück der vorherigen EP „Taken By Night“ gibt es hier ebenfalls zu sehen.

Releaseinformationen
Interpret: Reaper’s Revenge
Titel: On The Run
Format: Zwei-Track-Single | Digital
Veröffentlichung: 30. Oktober 2026
Label: NRT-Records
Herkunft: Amberg, Bayern / Deutschland
Genre: Heavy Metal | Power Metal | Thrash Metal
Titelliste
1. On The Run
2. Nightmare
Besetzung
Christopher „Flex“ Knauer – Leadgesang, Gitarre
Hermann Weiß – Gitarre, Hintergrundgesang
Christian Oppel – Bass, Hintergrundgesang
Thomas Seiferlein – Schlagzeug, Hintergrundgesang
Musikvideo zu „On The Run“
Aufnahmen: IridumStreams und Jessica Steidl
Bearbeitung: Benedikt Bockisch
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