MISSBRAUCH zünden den Ego-Ofen – und wir stehen mitten drin [ Review | Punk | Punkrock ]

Es gibt Bands, die nach längerer Pause vorsichtig anklopfen. Und dann gibt es MISSBRAUCH aus München. Die kommen zurück, treten die Tür aus den Angeln und werfen erstmal einen Molotow aus Deutschpunk durchs Wohnzimmer.

Mit „King Ego“ steht ein neues Album auf der Matte, das ungefähr so gemütlich ist wie ein Tritt gegen die Haustür. Druckvoll, angepisst, dreckig und vor allem: verdammt ehrlich.

Hier wird nicht versucht, Punk neu zu erfinden. Hier wird Punk genommen, ordentlich durch den Fleischwolf gedreht und anschließend mit Vollgas auf die Menschheit losgelassen.

Willkommen in der brennenden Hütte

King Ego“ klingt, als hätte jemand eine brennende Gartenlaube mit Verstärkern ausgestattet. Die Gitarren schieben, das Schlagzeug prügelt nach vorne und der Gesang kommt nicht gerade vorbei, um höflich nach dem Weg zu fragen. MISSBRAUCH wollen offensichtlich etwas loswerden – und zwar nicht erst morgen.

Der Sound ist aggressiv und druckvoll, bleibt dabei aber angenehm dreckig. Kein überpoliertes Punk-Gedöns, bei dem man am Ende mehr Studio als Band hört. Stattdessen gibt es ordentlich Kante auf die Ohren. Genau das macht die Platte sympathisch.

Auch textlich bleibt die Band auf Angriffskurs. „King Ego“ trägt seinen Namen nicht zufällig. Hier darf sich das menschliche Ego gerne einmal selbst beim Ausrasten beobachten. Zwischen Wut, Frust und gesellschaftlichem Mittelfinger entsteht ein Album, das nicht versucht, besonders brav oder besonders clever zu wirken. Und genau da liegt die Stärke.

MISSBRAUCH machen Deutschpunk, der nicht nach Museum riecht. Die Band klingt nicht wie eine nostalgische Kopie irgendeiner vergangenen Punk-Epoche, sondern wie eine Truppe, die immer noch genügend Gründe findet, den Verstärker aufzudrehen. Das Album hat Ecken und Kanten. Und das ist verdammt gut so.

Denn seien wir ehrlich: Punk ohne kleine Schrammen wäre ungefähr so spannend wie ein Einkaufszettel für Klopapier.

King Ego“ will keine Wohnzimmermusik sein. Die Platte gehört in kleine Clubs, verschwitzte Räume und auf Bühnen, bei denen nach dem letzten Song erstmal jemand überprüfen muss, ob das Gebäude noch steht.

Fazit – Ego groß, Fresse auf, Verstärker an

Mit „King Ego“ melden sich MISSBRAUCH nicht einfach zurück. Sie erinnern daran, warum Deutschpunk überhaupt Spaß machen kann: Druck, Wut, Haltung und eine ordentliche Portion Dreck. Das Album ist keine musikalische Wellnessbehandlung und möchte verdammt nochmal auch keine sein.

„King Ego“ ist eine brennende Hütte. Und während andere noch überlegen, wo der Feuerlöscher steht, haben MISSBRAUCH schon den nächsten Song gestartet.

Otte’s MEINUNG

Nach oben scrollen