Einmal tief Luft holen, dann ab in den Dungeon. Android 86 hat mit „Murder Hobo Martha“ und „Murder Hobo Martha, Vol. 2“ gleich zwei zusammenhängende Veröffentlichungen abgeliefert, die sich nicht lange mit Heldenposen aufhalten. Hier gibt es Monster, unfassbar dumme Entscheidungen, reichlich Blut und eine Frau, die auch nach hundert Jahren voller Niederlagen noch glaubt, sie habe die Lage bestens im Griff. Dazu knallen Industrial-Metal-Riffs, elektronische Spielereien und die Art schwarzer Humor, bei der selbst eingefleischte Rollenspieler gelegentlich den Kopf schütteln dürften.
Hinter dem Projekt steckt Anthony Damasco. Er schreibt die Geschichten und Texte, komponiert, spielt Gitarren und Bass und setzt bei Gesang, Schlagzeug und Produktionsarbeiten auch auf KI-Werkzeuge. Das verschweigt er nicht, sondern beschreibt es ziemlich offen. Das ist wichtig, weil Android 86 eben keine gewöhnliche Band mit Sängerin und Schlagzeuger im Proberaum ist. Ob das Resultat musikalisch taugt, entscheidet allerdings nicht die Werkzeugliste, sondern das, was am Ende aus den Boxen kommt.
Und aus denen soll vor allem eines kommen: mächtig Druck. Beide EPs enthalten jeweils sechs Songs und erzählen Marthas aberwitzigen Überlebenskampf weiter. Wer bloß auf Metal mit ein paar Videospielgeräuschen hofft, unterschätzt dieses ziemlich durchgeknallte Konzept. Wer mit gesprochenen Passagen, Rollenspielanzeigen und absurden Pointen nichts anfangen kann, sollte wiederum wissen, worauf er sich einlässt.
Teil 1: „Murder Hobo Martha“ – Level eins, null Talent, eine Menge Ärger
Wer keine Gilde findet, gründet eben sein eigenes Himmelfahrtskommando
Die Ausgangslage ist herrlich bescheuert. Martha gilt als Kämpferin der untersten Rangklasse, verfügt über kaum Lebenspunkte, keine nützlichen Fertigkeiten und auch sonst über wenig, was in einem Rollenspiel als gute Voraussetzung durchginge. Keine Gilde will sie, keine Abenteurergruppe nimmt sie mit. Anstatt den Beruf zu wechseln, hämmert sie sich eine Ausrüstung aus Schrott zusammen und marschiert schnurstracks in einen Dungeon, für den sie hoffnungslos unterqualifiziert ist. Ein Musterbeispiel für gesundes Risikomanagement ist das nicht.
„I’ll Power Level Myself!“ eröffnet das Gemetzel mit rasanten Double-Bass-Attacken und einem Industrial-Metal-Brett, das lieber gleich durch die Wand fällt, statt höflich an die Tür zu klopfen. Die Rhythmusgitarren schieben ordentlich, die Bassarbeit verleiht der Nummer Gewicht und über den harten Unterbau legen sich bewegliche Leadfiguren und eigenwillige elektronische Akzente. Das Ganze besitzt eine progressive, stellenweise ziemlich verschachtelte Schlagseite. Die klare, hoch geführte weibliche Gesangsstimme steht dabei im reizvollen Gegensatz zu gutturalen Ausbrüchen.
Inhaltlich wird aus der anfänglichen Trotzreaktion sehr schnell ein handfester Dachschaden. Martha stirbt, taucht wieder auf und stirbt erneut. Ihr neuer Wiederbelebungspunkt liegt ausgerechnet tief im Dungeon. Selbst ein Jahrhundert, in dem sie anfangs kaum vorankommt, bringt sie nicht auf die Idee, dass ihr Plan vielleicht schlecht gewesen sein könnte. Gerade dieser Widerspruch macht den Auftakt stark: Musikalisch gibt es immer neuen Vorwärtsdrang, während die Geschichte von einer Figur handelt, die buchstäblich auf der Stelle tritt.
Mit einem Einhornhorn bewaffnet, als Schatztruhe verkleidet
„Black Unicorn Exploit“ ist der zweite Titel und liefert ein wichtiges Bindeglied für die weitere Geschichte. Ein schwarzes Einhornhorn wird zu Marthas improvisierter Lieblingswaffe. Das passt bestens zu ihrem Vorgehen: Die Spielregeln sind für sie weniger eine Orientierung als etwas, das man möglichst eigenwillig ausnutzt. Die Musik bleibt damit in ein Konzept eingebunden, bei dem nahezu jeder Fund aus dem Dungeon später noch einmal eine Rolle spielen kann.
Richtig hübsch daneben wird es dann mit „Mimic the Mimic“. Der Song fährt das Tempo gegenüber dem hektischen Auftakt herunter und setzt auf einen schweren, griffigen Industrial-Groove. Druckvolle Basslinien und kräftige Drums bilden das Gerüst, während die Gitarren ihren mechanischen Biss behalten. Die Nummer überzeugt gerade deshalb, weil sie nicht dauernd beweisen muss, wie schnell sich Schlagzeug und Gitarren bewegen können. Hier trägt der Rhythmus die Spannung.
Martha begegnet einem sogenannten Mimic, also einer Kreatur, die sich als Schatztruhe tarnt. Natürlich tappt sie hinein. Ihre Gegenmaßnahme? Sie baut sich selbst als Truhe nach und wartet so lange, bis das Monster sie für seinesgleichen hält. Monate später erledigt ein heimtückisch eingesetztes Horn den Rest. Einen Schatz gibt es dafür nicht, dafür aber jede Menge Erfahrung und eine ziemlich fragwürdige Trophäe. Man kann es taktisches Denken nennen. Man könnte aber auch fragen, ob Martha überhaupt noch zurechnungsfähig ist.
„Level Ten Lunch“ und „Merman Toxicide“: Ein ordentlich schmutziges Menü
Bei „Level Ten Lunch“ blitzt in der Einleitung eine gewisse Verwandtschaft zum stampfenden Industrial Metal von Static-X auf. Das Stück bremst sich anschließend in einen beharrlichen Groove ein. Elektronisch gefärbte Midtempo-Drums, wuchtige Gitarren und Synthesizer gehen ineinander über; vereinzelte Klavierakzente sorgen dafür, dass der Song nicht einfach nur eine weitere Reihe von Riffs aneinanderklebt. Vor allem die melodische Gesangslinie gibt der Härte etwas Eigenständiges. Ein guter Beleg dafür, dass Android 86 auch abseits von Tempoexzessen funktioniert.
„Merman Toxicide“ hat dagegen den Charme eines schlecht gelaunten Horrorfilms. Schwere Bassgitarren, düstere Synthesizer und eine breite, bedrückende Klangkulisse sorgen für das passende Umfeld. Dazwischen tauchen gesprochene Einschübe auf, die den Song eher wie eine Szene aus einem vollkommen aus dem Ruder gelaufenen Fantasy-Abenteuer wirken lassen. Der Kontrast aus dunkler Stimmung und grotesker Handlung sitzt.
Martha muss ein Gewässer überqueren, in dem sie von Wasserwesen erledigt wird. Also nimmt sie die vermeintlich naheliegende Abkürzung und entsorgt Berge verwesender Goblin-Kadaver im Wasser. Die Bewohner sterben, die Leichen werden zur Behelfsbrücke. Problem gelöst. Diese geradezu monströse Rücksichtslosigkeit ist ein wichtiger Punkt der Geschichte: Aus der anfangs bemitleidenswerten Außenseiterin wird allmählich jemand, dessen Einfallsreichtum vor allem für alle anderen lebensgefährlich ist.
„I’m Not a Mob!“ – vielleicht doch, Martha?
Der Abschluss „I’m Not a Mob!“ schleppt sich nicht durch ein überflüssiges Finale, sondern hält mit seinem schweren Midtempo und den erzählerischen Einlagen das schräge Bild konsequent aufrecht. Martha trifft endlich wieder andere Menschen. Statt freudiger Begrüßung hagelt es Angriffe. Dass die Gruppe sie für ein Monster hält, kann man ihr kaum verdenken: Martha trägt Teile der getöteten Dungeonbewohner am Leib, benimmt sich höchst bedenklich und hat zwischenzeitlich sogar ihren eigenen Namen vergessen.
Als ihr Erklärungsversuch scheitert, erschlägt sie mehrere Mitglieder der Gruppe. Aus ihrer Sicht ist das natürlich ein bedauerliches Missverständnis, an dem ausschließlich die anderen schuld sind. Der letzte überlebende Mensch, eine Klerikerin, rennt davon. Martha folgt ihr – und entdeckt damit zum ersten Mal seit Ewigkeiten einen Weg nach oben. Besser kann ein erster Teil kaum enden: als bitterböse Pointe und zugleich als Steilvorlage für die Fortsetzung.
Die erste EP gewinnt vor allem durch ihre Mischung aus massiver Metal-Basis und vollkommen kaputtem Abenteuerhumor. Die gesprochenen Systemmeldungen und die häufigen Perspektivwechsel unterbrechen zwar bisweilen den musikalischen Fluss, sind aber auch das, was die Geschichte von einer gewöhnlichen Zusammenstellung harter Songs unterscheidet. Nicht jede Nummer ist gleich filigran, doch langweilig wird es selten.
Teil 2: „Murder Hobo Martha, Vol. 2“ – beste Freundinnen bis über den Tod hinaus
Denise ist längst tot. Martha hat es nur noch nicht begriffen.
Das zweite Kapitel setzt dort an, wo das erste Schluss gemacht hat. Die flüchtende Klerikerin hat einen Namen: Denise. Sie überlebt die Gesellschaft ihrer neuen Begleiterin nur kurz. Martha registriert das allerdings nicht. Selbst als Denise längst zu einem Skelett geworden ist, hält unsere Heldin sie weiter für ein ganz normales, bloß außergewöhnlich schweigsames Gruppenmitglied. Dass das Spielsystem die Zweiergruppe noch immer als solche führt, gibt dieser absurden Freundschaft den letzten Rest bürokratischer Legitimation.
„Party Carry Energy“ zieht aus dieser Idee einen herrlich albernen Running Gag. Martha trägt Denise durch den Dungeon und beschwert sich dabei, dass sie jede Gefahr allein beseitigen muss. Wortwörtlich trägt sie also die Gruppe und im übertragenen Sinne gleich mit. Der Humor funktioniert, weil Martha ihre Umgebung mit einer geradezu unerschütterlichen Selbstverständlichkeit falsch deutet. Für uns ist Denise ein Haufen Knochen. Für Martha ist sie einfach eine ausgesprochen faule Kollegin.
Musikalisch entwickelt Volume 2 das bekannte Fundament aus wuchtigen Gitarren, pumpenden Drums und dunklen Synthesizern weiter. Hinzu kommen noch mehr Geräusche: klappernde Knochen, Kampfeffekte, Bewegungen und diese eigentümlich vertrauten Sounds alter Computerrollenspiele. Das Album klingt dadurch streckenweise wie ein Hörspiel, dem jemand einen Industrial-Metal-Verstärker angeschlossen hat. Der warme, bewusst etwas retrohafte Mix passt erstaunlich gut dazu.
Schleimige Entführung und Eifersucht auf einen Knochenhaufen
„Bad Slime“ zeigt, wie viel Komik sich aus einer einzigen bekloppten Grundidee herausholen lässt. Ein Schleimmonster verschluckt Denise und verschwindet. Martha gerät in Panik, zerlegt ein Monster nach dem anderen und sucht in deren schleimigem Innenleben nach ihrer vermeintlich entführten Freundin. Die Rettung gelingt schließlich mit einer spektakulär rabiaten Attacke. Als angenehmen Nebeneffekt hat der Schleim das Skelett auch noch gründlich gereinigt. Martha ist begeistert. Denise hat dazu erwartungsgemäß wenig zu sagen.
Der Titel lebt von seiner Überzeichnung, und die Soundeffekte machen das Geschehen greifbar. Gerade hier merkt man aber auch, dass die Musik gelegentlich mit einem sehr redseligen Erzähler konkurriert. Wer lieber einen Refrain zweimal hören möchte als die nächste groteske Szene, könnte das anstrengend finden. Im Rahmen dieser Geschichte hat der Klamauk dennoch seinen festen Platz.
Bei „Skeleton Crew“ wird es noch eine Spur blöder – im besten Sinne. Martha trifft auf eine ganze Armee beweglicher Skelette und befürchtet ausgerechnet, Denise könnte sich von den anderen Knochenkerlen abwerben lassen. Dass die angebliche Freundin weder laufen noch entscheiden kann, spielt dabei keine Rolle. Der Song verwandelt Verlustangst und Besitzdenken in eine makabre Eifersuchtsszene. Dass Damasco hier ausdrücklich auf kräftige Refrains, Breakdowns und große Grooves setzt, ist eine gute Entscheidung. Sonst drohte das ganze Konzept irgendwann unter seinen eigenen Witzen zu verschwinden.
„Mist in the Hall“: Ein Ausweg, der seinen Preis hat
Mit „Mist in the Hall“ gönnt sich die zweite EP einen interessanten Richtungswechsel. Im silbrigen Nebel erscheinen eine verhüllte Frau und ein Kind. Sie bieten Martha einen Ausweg aus dem Dungeon an, allerdings unter einer Bedingung: Denise darf nicht mit. Martha lehnt ohne langes Grübeln ab. Wer sie bislang nur für eine vollkommen durchgedrehte Schlächterin gehalten hat, erlebt hier zumindest einen Anflug dessen, was bei ihr als Loyalität durchgeht.
Die Szene bekommt beinahe etwas Tragisches. Martha ist vermutlich viel zu weit von einem normalen Leben entfernt, um ihren Verlust überhaupt noch zu erkennen, klammert sich aber unbeirrbar an ihre Vorstellung von Freundschaft. Die Fremden hinterlassen ihr eine Schriftrolle, mit der Tote wiederbelebt werden können. Ihr möglicher Sinn entgeht Martha völlig. Gerade diese Pointe hat mehr Wirkung als noch ein zerlegtes Monster: Die Lösung liegt offen vor ihr, aber sie begreift das Problem nicht.
Für Hörer, die auch die anderen Geschichten von Android 86 verfolgen, baut der Titel zudem eine Verbindung zum größeren Erzähluniversum auf. Man muss diese Nebenhandlung nicht kennen, um die Szene zu verstehen. Es ist allerdings ein hübscher Hinweis darauf, dass Damasco seine Alben nicht als voneinander abgeschottete Spielereien betrachtet.
„Party Dispute“: Streit mit einer Freundin, die eigentlich gar nichts dafür kann
Die nächste Wendung liefert „Party Dispute“. Ein Nekromant erweckt Denise und hetzt sie auf Martha. Statt den offensichtlichen Zusammenhang zu erkennen, ist Martha zunächst empört, dass Denise plötzlich doch laufen kann. Offenbar hätte sich ihre Freundin schon die ganze Zeit nützlich machen können. Die Situation eskaliert, Martha kämpft gegen beide und schaltet schließlich den Nekromanten aus. Dass sie Denise ihren Mordversuch verzeiht, ist angesichts der Umstände beinahe großzügig.
Aber selbst das ist nicht die eigentliche Pointe. Beim Besiegten findet Martha einen Zauberstab, mit dem sich Tote kontrollieren lassen. Ein kleines Detail mit beträchtlichen Folgen. Musikalisch passt hier die Verbindung aus schweren Riffs, energischen Rhythmuspassagen und den gesprochenen Kampfszenen zum hektischen Streit. Ganz so, als würden zwischen den Metalparts zwei völlig unterschiedliche Diskussionen gleichzeitig geführt: Martha versucht eine Freundschaft zu retten, während der Nekromant schlicht einen Mord befehlen möchte.
„BFF Denise“: Ende gut, alles untot
„BFF Denise“ führt die absurde Geschichte zu einem vorläufigen Happy End. Dank des erbeuteten Zauberstabs kann Denise endlich selbst gehen und kämpfen. Für Martha ist das der Beweis, dass ein bisschen Motivation eben Wunder bewirken kann. Jetzt erledigen die beiden tatsächlich gemeinsam die Monster, und das lange vermisste Teamgefühl ist plötzlich da. Dass die eine Hälfte der Gruppe nur durch Nekromantie auf den Beinen bleibt, ist für Martha bestenfalls eine technische Randnotiz.
Das Finale besitzt bei aller Albernheit sogar eine überraschend nette Seite. Aus dem einsamen Einzelkämpfer der ersten EP ist jemand geworden, der nicht mehr allein durch die Gegend irrt. Die Freundschaft ist zwar vollkommen einseitig entstanden und beruht auf einer grotesken Fehleinschätzung. Trotzdem nimmt Martha Denise nun als Partnerin wahr. Ob sie die Wahrheit längst ahnt oder sie wirklich bis zum Schluss nicht begreift, lässt die Geschichte offen. Diese Ungewissheit ist klüger als eine große abschließende Erklärung.
Als Albumabschluss funktioniert das Stück gerade deshalb, weil Volume 2 sich von der puren Überlebensgeschichte des Vorgängers gelöst hat. Es geht nun um Bindung, um grotesk verzerrte Wahrnehmung und darum, wie weit Martha ihre eigene Realität zurechtbiegt. Und natürlich geht es weiterhin darum, möglichst viele Monster in handliche Einzelteile zu zerlegen.
Viel Metal, viel Sounddesign – und eine berechtigte KI-Frage
Das stärkste Argument für beide Veröffentlichungen ist ihr musikalisches Rückgrat. Android 86 benutzt den Industrial Metal nicht bloß als Hintergrundtapete für Fantasy-Geschichten. Die Gitarren sollen drücken, der Bass soll schieben und das Schlagzeug soll ordentlich nach vorne gehen. Gerade die Kombination aus harten Rhythmusfiguren, melodischen Gesangsmomenten und elektronischen Einwürfen macht die erste EP interessant. Der Vergleich mit Static-X liegt stellenweise nahe, ohne dass hier einfach nur deren Musik nachgebaut würde.
Der zweite Teil packt noch mehr erzählerische Geräusche dazu. Chiptune-Anklänge, Spielsystemmeldungen, knochiges Geklapper und Kampfsounds gehören jetzt unmittelbar zu den Arrangements. Das ist ein ordentliches Stück Sounddesign-Arbeit, das den Songs Charakter verleiht. Allerdings gibt es eine Grenze: Wenn zu viele Dialoge und Effektgeräusche über einen Track verteilt sind, leidet irgendwann der Fluss. Nicht jede Pointe muss bis zum letzten Knochenklappern ausinszeniert werden.
Bleibt die Sache mit der künstlichen Intelligenz. Anthony Damasco macht nach eigener Darstellung die grundlegende kreative Arbeit selbst: Geschichten, Songtexte, Komposition, Gitarren und Bass. Für Gesangsmodelle wie Lyra und Riot, für Schlagzeug und weitere Produktionsschritte nutzt er KI-gestützte Verfahren. Bei Lyra, die auf Volume 2 die Gesangsparts übernimmt, handelt es sich folglich nicht um eine reguläre menschliche Sängerin. Wer das unter den Tisch fallen lässt, würde die Entstehung dieser Musik falsch darstellen.
Man kann solcher Technik kritisch gegenüberstehen und trotzdem anerkennen, dass hier jemand eine erkennbare Vorstellung von seinen Songs hat. Die KI ersetzt weder eine gute Geschichte noch ein packendes Riff. Umgekehrt entschuldigt ein ausgearbeitetes Konzept auch keine klanglichen Schwächen. Die entscheidende Frage ist, ob das Endergebnis funktioniert. Nach den vorliegenden musikalischen Eindrücken und der beschriebenen Produktionsweise liegt die Stärke von „Murder Hobo Martha“ klar bei den griffigen Metalarrangements und der fantasievollen Verbindung mit dem erzählten Chaos. Wer ausschließlich eine konventionell eingespielte Band hören möchte, wird mit dieser Herangehensweise dennoch fremdeln.
Unsere Wertung:
4,5 von 5 Sternen – als Gesamtwertung für beide zusammenhängenden Veröffentlichungen.
Unser Fazit:
Mit „Murder Hobo Martha“ und „Murder Hobo Martha, Vol. 2“ hat Android 86 eine ziemlich schräge Idee erstaunlich konsequent durchgezogen. Die erste EP punktet mit kraftvollem Industrial Metal, progressiven Eigenheiten und einer Hauptfigur, deren Sturheit bald jede Grenze zum Wahnsinn überschreitet. Die zweite legt bei den Geräuschen, Dialogen und den abstrusen Einfällen noch eine Schippe drauf und macht aus dem Dungeon-Abenteuer eine ziemlich kaputte Freundschaftsgeschichte.
Musikalisch überzeugt vor allem das Zusammenspiel aus satten Gitarren, elektronischen Texturen und druckvollen Rhythmuspassagen. „I’ll Power Level Myself!“, „Mimic the Mimic“ und „Merman Toxicide“ zeigen die Bandbreite des ersten Teils; „Skeleton Crew“, „Mist in the Hall“ und „Party Dispute“ gehören zu den interessantesten Stationen der Fortsetzung. Kleine Abzüge gibt es für die vielen Erzählunterbrechungen, die stellenweise mehr Aufmerksamkeit fordern als die Musik selbst.
Wer Industrial Metal mag, mit düsteren Rollenspielen etwas anfangen kann und über makabre Albernheiten lachen möchte, findet hier reichlich Stoff. Für Puristen mag das alles zu verspielt und zu künstlich produziert sein. Aber immerhin macht Android 86 nicht den Fehler, seine absurde Geschichte künstlich ernst wirken lassen zu wollen. Zwei harte, ideenreiche EPs für Metalheads mit schwarzem Humor und einer gewissen Schmerzfreiheit gegenüber völlig durchgeknallten Fantasy-Geschichten.
Releaseinformationen und Tracklisten
„Murder Hobo Martha“

Interpret: Android 86
Veröffentlichung: 24. September 2026
Format: Digitale EP
Spielzeit: 21:24 Minuten
Label: Palm Mute Maniac
Genre: Industrial Metal / Progressive Metal / Extreme Metal
Trackliste:
01. I’ll Power Level Myself!
02. Black Unicorn Exploit
03. Mimic the Mimic
04. Level Ten Lunch
05. Merman Toxicide
06. I’m Not a Mob!
„Murder Hobo Martha, Vol. 2“

Interpret: Android 86
Veröffentlichung: 1. Oktober 2026 (Streaming); 2. Oktober 2026 (offiziell angekündigt)
Format: Digitale EP
Spielzeit: ca. 24 Minuten
Label: Palm Mute Maniac
Genre: Industrial Metal / Cyber Metal
Trackliste:
01. Party Carry Energy
02. Bad Slime
03. Skeleton Crew
04. Mist in the Hall
05. Party Dispute
06. BFF Denise
Produktion und Mitwirkende
Anthony Damasco: Geschichten, Texte, Kompositionen, Gitarren, Bass und kreative Leitung.
Lyra: KI-gestützte Gesangspersona, alle Songs auf „Murder Hobo Martha, Vol. 2“.
Produktion: KI-gestützte Unterstützung für Gesang, Schlagzeug und Sounddesign nach Angaben des Künstlers.
Mehr zu Android 86 im Netz
Offizielle Website:
https://android86.com/
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