Bandbrüche sind selten leise. Entweder setzt danach der große Stillstand ein – oder es entsteht genau aus dieser Lücke neue Energie. Voltwechsel entscheiden sich eindeutig für Letzteres und schlagen mit „Anfang unsrer Zeit“ ein frisches Kapitel auf: neue Front, neue Dynamik, aber weiterhin der klare Anspruch, Heavy Rock in der Grauzone zwischen Alternative Rock, Grunge und Deutschrock mit Nachdruck nach vorn zu treiben.
Neues Line-up, vertraute Handschrift – nur schärfer gezeichnet
Die Ausgangslage ist dabei so simpel wie richtungsweisend: Nach dem Ausstieg von Sänger Patrick Schmidleithner musste sich das Projekt neu ausrichten. Übrig blieben zunächst Drummer/Produzent Nino Markgraf und Bassist/Songwriter Gernot Neumann – ein Kern, der mit „Frei und doch gefangen“ und „Freakshow“ bereits bewiesen hat, dass er Songs mit Wiedererkennungswert und Haltung schreiben kann. Jetzt kehrt Voltwechsel als Female-Fronted-Act zurück: Sängerin Laura Trolp übernimmt das Mikro, Gitarrist Gerald Silberschneider komplettiert das neue Gefüge.
Arrangement & Komposition: Druckvolles Midtempo, sauberer Spannungsaufbau
Der Track spielt seine Wirkung über klare Kontraste aus: In den Strophen wird nicht überladen, sondern strukturiert aufgebaut – die Instrumente arbeiten eher als tragendes Fundament und setzen gezielte Akzente. Sobald der Refrain einsetzt, öffnet sich das Bild: breiter, hymnischer, mit einer Melodieführung, die hängen bleibt. Die Hook ist präsent, ohne geschniegelt zu wirken – Bühnenmusik im besten Sinne, clubtauglich und zugleich groß genug, um über eine Festival-PA nicht klein zu werden.
„Anfang unsrer Zeit“ wirkt dabei nicht wie ein vorsichtiges Abtasten, sondern wie eine bewusste Ansage: Hier wird nicht zurückgeschaut, hier wird neu markiert. Stilistisch bleibt die Band im Heavy-Rock-Dreieck aus Alternative Rock, Grunge und Deutschrock; Metal ist eher die schneidende Kante als der dominierende Kern. Genau diese Kante sorgt aber dafür, dass der Song mehr Gewicht bekommt – nicht durch Übertreibung, sondern durch Haltung.
Im Tempo bewegt sich „Anfang unsrer Zeit“ im gehobenen Midtempo: genug Vorwärtsdrang, um Spannung zu halten, aber auch ausreichend Raum, damit sich Melodien entfalten können. Besonders angenehm ist, dass das Arrangement nicht nach Standard-Schablone wirkt. Voltwechsel arbeiten mit Übergängen, kleinen zusätzlichen Texturen, Gegenstimmen und kurzen Detailmomenten, die den Song lebendiger machen. Das ist kein Progressiv-Feuerwerk – aber es ist clever gebaut.
Gesang: Laura Trolp liefert Präsenz statt Eingewöhnungsphase
Der zentrale Unterschied liegt erwartungsgemäß in der Stimme – und genau hier setzt der Track sein Ausrufezeichen. Laura Trolp wirkt nicht wie eine „neue Besetzung“, die erst hineinfinden muss, sondern wie der Motor einer klaren Neusortierung: sauber, gefühlvoll, gleichzeitig kraftvoll und vor allem deutlich im Mix verankert. Ihre Vocals sind nicht Beiwerk, sondern Leitlinie – und dadurch hebt sich „Anfang unsrer Zeit“ angenehm von Genre-Produktionen ab, die im dicht geschichteten Gitarrensound gern an Kontur verlieren.

Gerade die Hook profitiert davon: Wo andere Bands die Eingängigkeit über massives Double-Tracking erzwingen, trägt hier die Performance den Refrain. Das klingt selbstbewusst und nicht überproduziert – und lässt trotzdem genug Platz, damit die Instrumente weiterhin Druck aufbauen können. Unterm Strich wirkt das neue Line-up nicht „ausgetauscht“, sondern organisch geschlossen.
Sounddesign & Produktion: Durchsetzungskraft ohne platte Überkompression
Die Produktion steht schnell stabil: Nino Markgraf liefert Drums, die nicht stumpf durchkloppen, sondern mit Akzentsetzung und Drive arbeiten. Darunter schiebt Gernot Neumann ein Bassfundament, das satt wirkt, ohne die Gitarren zu verdecken. Insgesamt ist das Setup sauber ausbalanciert: Kick und Bass greifen ineinander, die Rhythmusgitarren liegen breit, und darüber setzen Leads sowie punktuelle Synth-/Effektmomente kleine moderne Markierungen – gerade so viel, dass es zeitgemäß klingt, ohne den Rock-Charakter zu glätten.
Ein klarer Pluspunkt: Trotz Druck wirkt das Ergebnis nicht plattgewalzt. Man spürt Dynamik und Luft – besonders im Wechselspiel zwischen Strophe und Refrain sowie in der spürbaren Steigerung zur Hook. Ja, der Track ist laut und energisch. Aber nicht als Selbstzweck. Dadurch klingt „Anfang unsrer Zeit“ nicht nach schnellem Streaming-Impuls, sondern nach einer Band, die ihre Klangidentität bewusst formt.
Text & Bedeutung: Neubeginn als Entscheidung, nicht als Flucht
Lyrisch ist der Titel eindeutig auf „Neustart“ geeicht – und natürlich lädt er dazu ein, ihn als Spiegel der Band-Umbrüche zu lesen. Der Text bleibt dabei erfreulich auf der Linie: nachdenklich, aber ohne in Kalenderblatt-Phrasen zu rutschen. Im Kern geht es um diesen Punkt, an dem man eine alte Phase beendet, Ballast hinter sich lässt und sich aktiv für eine neue Richtung entscheidet – nicht aus Überforderung, sondern aus Klarheit.
Dass das Thema darüber hinaus funktioniert, liegt an seiner Offenheit: Beziehungen, Freundschaften, Job, Selbstbild – jeder kennt diese Schwelle, an der man entweder verharrt oder den Schritt nach vorn macht. Genau hier setzt der Song an: Er erklärt nicht überdeutlich, er stößt an. Und damit passt er auch zu dem, was Voltwechsel im Band-Kontext auszeichnet: deutschsprachige Lyrics mit Substanz und dem Willen, mehr zu sein als reine Kulisse.
Einordnung: Heavy Rock zwischen Alternative Rock, Grunge und Deutschrock
Die Band bleibt stilistisch genau dort, wo sie seit jeher am stärksten ist: in der Schnittmenge aus Alternative-Attitüde, grungiger Rauheit und deutschsprachiger Direktheit. Im Umfeld fallen als Bezugspunkte u. a. Nirvana, Seether, Alter Bridge und die Smashing Pumpkins – und in diese grobe Richtung lässt sich auch „Anfang unsrer Zeit“ einordnen: kantig, modern, melodisch, aber nicht geschniegelt.
Das Beste daran: Der Song wirkt nicht wie ein abrupter Stilwechsel, sondern wie eine Zuspitzung. Die neue Stimme erweitert das Spektrum, ohne die DNA zu verraten. Wenn kommende Releases dieses Niveau halten, ist das kein „mal sehen“, sondern ein klar erkennbarer Kurs mit Perspektive.
Unsere Wertung:
Unser Fazit:
Der Neustart sitzt – und klingt nach Aufbruch
„Anfang unsrer Zeit“ ist ein überzeugender Neubeginn: druckvolle, ausgewogene Produktion, griffiges Songwriting, ein Arrangement mit Sinn für Details – und eine Frontfrau, die nicht nur funktioniert, sondern das Gesamtbild sichtbar aufwertet. Vor allem aber sendet Voltwechsel das Signal, das nach einem Umbruch zählt: kein Verstecken, kein Zögern, sondern Vorwärtsgang. Der erste Marker ist gesetzt – und wenn die Band diese Linie weiterzieht, dürfte das nächste Kapitel nicht nur möglich, sondern sehr realistisch erfolgreich werden.
Kritik von: Philipp Gottfried
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