Manchmal reicht ein einziger Song, um wieder zu merken, warum man sich überhaupt in Musik verliebt hat: weil sie nicht nur hübsch klingt, sondern Geschichten trägt. Genau so ein Fall ist John Liedermann mit „Westberlin“. Wer ihn seit Die Neue Deutsche Schwelle verfolgt, kennt dieses Talent, Vergangenes so einzufangen, dass es sich gleichzeitig nach Heute anfühlt. Und wer ihn über „Vorbei“ oder „Weck mich auf“ neu entdeckt hat, weiß: Der Mann kann auch Kante. Diesmal geht’s weniger um die Faust, mehr um den offenen Blick – auf Freundschaft, auf Erinnerung, auf Zeiten, die mal leicht waren und plötzlich schwer wiegen, weil das Leben inzwischen im Schnellmodus läuft.
Ein Song wie ein Film, der nicht geschniegelt ist
Das Spannende an „Westberlin“: Es wirkt nicht wie „wir bauen jetzt mal Retro“, sondern wie ein echtes Setting, das organisch entsteht. Die Mundharmonika am Anfang ist so ein sofortiger Szenenöffner – zack, du siehst staubige Kanten, Weite, dieses leichte Flimmern am Horizont. Dazu die akustischen Saiten, die eher erzählen als begleiten. Und trotzdem bleibt das Ganze nicht in der Western-Postkarte stecken: Sobald Piano, Drums und Bass reinkommen, kippt die Kulisse Richtung Stadt, Richtung Asphalt. Die Drums sind angenehm nach vorn gemischt, geben Schub, ohne alles plattzuwalzen. Der Bass ist nicht nur Fundament, sondern Motor. Und dann diese Details in der Hook: Hallräume, die den Refrain größer machen, plus Banjo-Farben, die wie kleine, freche Spritzer auf einer sonst sehr klaren Leinwand landen. Produktion, Sounddesign und Arrangement: extrem sauber, aber mit genug Luft, damit es nicht nach „Preset“ riecht.
Text: Keine Heldenpose, eher ein ehrliches „Bleib bei mir“

Inhaltlich macht „Westberlin“ einen klugen Spagat: Es ist persönlich, aber nicht privat aufdringlich. Im Kern geht’s um einen besten Freund, um jemanden, der sichtbar Narben trägt – und um den Erzähler, der ihn nicht auf seine Vergangenheit reduziert. Genau da sitzt die Wirkung: Freundschaft wird hier nicht als Instagram-Motiv gefeiert, sondern als Entscheidung. Und zwischen den Zeilen stehen die Schrecken des Krieges wie ein dunkler Schatten am Bildrand – nicht als plakativer Zeigefinger, sondern als Erinnerung daran, was Menschen prägt und was nie wieder passieren darf. Der Song funktioniert dadurch auch als Mahnung gegen das Vergessen. Gleichzeitig schwingt dieses Gefühl mit, dass unbeschwerte Zeiten heute schneller verschwinden: Termine, Tempo, Dauer-Online – alles frisst Raum. „Westberlin“ hält dagegen und sagt: Es gibt Dinge, die wichtiger sind als der nächste Sprint.
Gesang und Dramaturgie: klein anfangen, groß enden
Was John Liedermann hier richtig gut hinbekommt: Er singt nicht „drüber“, sondern „drin“. Der Vortrag bleibt nah, verständlich, und trägt die Story, ohne sie zu überzeichnen. Die Dramaturgie baut clever Spannung auf – nicht über Lautstärke-Wettrennen, sondern über Schichten, die nach und nach auftauchen und Sinn ergeben. Man merkt: Da ist jemand, der Songwriting wirklich als Handwerk versteht, aber eben auch als Gefühlssache. Dass John Liedermann aus Band-Welten wie Jacky Illusion und Zelle Vier kommt und trotzdem konsequent Solo denkt, hört man in dieser Mischung aus Direktheit und Detail. Unterm Strich ist „Westberlin“ ein Song, der nicht nur gut produziert ist, sondern auch eine Haltung hat – und gerade deshalb hängen bleibt.

Unsere Wertung:
Unser Fazit:
Kein Blender-Track, sondern ein stark erzählter Song mit richtig guter Produktion: warm, treibend, detailreich – und mit einem ernsten Kern, der dem Ganzen Gewicht gibt.
Kritik von: Philipp „Pfnörki“ Gottfried
Mehr zu John Liedermann im Netz
John Liedermann – Die offizielle Webseite:
https://www.johnliedermann.de/
John Liedermann bei Facebook:
https://www.facebook.com/johnliedermann.offiziell
John Liedermann bei den Musikdiensten (Linksammlung):
https://bfan.link/westberlin-1

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