Soldiers Of Forgiveness – US-Amerikaner veröffentlichen mit „The Year Of Aquarius: Only Poetry Lives Forever“ ein Meisterwerk (Musikvideos) [ Symphonic Metal | Heavy Metal | Power Metal ]

Symphonic Metal kann vieles sein: kitschiger Zierrat, überladene Operette – oder ein ernstzunehmendes Erzählmedium, das schwere Riffs und große Emotionen in eine gemeinsame Dramaturgie zwingt. „The Year of Aquarius: Only Poetry Lives Forever“ von Soldiers Of Forgiveness entscheidet sich klar für Letzteres. Das Album wirkt wie ein vertonter Roman, der seine Kapitel nicht nur mit Streichern markiert, sondern mit echter musikalischer Spannung, sauberer Handwerkskunst und einer bemerkenswerten Liebe zum Arrangement.

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Klangästhetik: Epik mit Kontrolle statt Bombast nach Schema F

Das Beeindruckende ist weniger die Menge an Spuren als deren Ordnung. Chöre, Synthflächen, Piano-Details und orchestrale Farben stehen nicht als Tapete im Hintergrund, sondern arbeiten als dramaturgische Lichtregie: Sie öffnen Räume, ziehen Vorhänge zu, lassen Szenen kippen. Darunter bleibt das metallische Fundament kantig und präsent – Drums sitzen straff, der Bass füttert das Low-End, und die Gitarren sind so konturiert, dass sich jede gallopierende Figur sauber ins Ohr schneidet. Das Sounddesign erzeugt genau den Sog, den man bei epischen Konzeptwerken sucht: nicht überwältigen durch Masse, sondern fesseln durch Bewegung.

Dass das so geschlossen funktioniert, ist umso bemerkenswerter, wenn man die Entstehung mitdenkt: Soldiers Of Forgiveness kommen zwar aus dem Umfeld von Seattle (USA), arbeiten aber als internationales Kollektiv mit Musikerinnen und Musikern aus den USA, Argentinien, Italien, Portugal und Venezuela zusammen. Diese „remote“ Produktionsweise hört man der Platte nicht als Kompromiss an – im Gegenteil: Das Arrangement wirkt wie aus einem Guss, als hätte ein eingespielter Bühnenapparat im selben Raum gestanden.

Songwriting: Hooks, Galopp und Leads mit „Guitar-Hero“-Instinkt

Wo viele Genre-Kollegen in endlosen Spannungsbögen verharren, setzen Soldiers Of Forgiveness bewusst auf Wiedererkennung. Refrains bleiben hängen, ohne banal zu werden, und die Leadarbeit – ob Gitarre oder Keyboard-Topline – wirkt oft wie ein zweiter Erzähler im Stück. Besonders stark: die Fähigkeit, Tempo und Textur zu variieren, ohne dass das Album auseinanderfällt. Hier schaltet das Material zwischen Heavy Metal-Direktheit, Power Metal-Antritt und einem deutlichen NWOBHM-Galopp, bleibt dabei aber stets in derselben Welt verankert.

Themenwelt: Der Feind sitzt nicht vor den Toren, sondern im Innern

Inhaltlich kreist das Album um einen Menschen, der zwischen Berufung und Pflicht aufgerieben wird – und irgendwann merkt, dass das Außen nicht das letzte Schlachtfeld ist. Der zentrale Gedanke zieht sich wie ein kalter Faden durch die Platte: Man kann Kriege gewinnen und trotzdem verlieren, wenn man dabei das eigene Innenleben als Kollateralschaden behandelt. Ein wiederkehrendes Motiv ist die Erkenntnis, dass Frieden nicht automatisch Heilung bedeutet – oft ist er nur der Moment, in dem verdrängte Stimmen endlich laut werden. Dadurch bekommen die dramatischen Spitzen Gewicht: Das ist nicht „Düsternis um der Düsternis willen“, sondern eine nachvollziehbare psychologische Abwärtsspirale.

Musikvideos: Zweiter Einstieg, zweite Perspektive

Als Gegenpol zur inneren Zersetzung im ersten Video zeigt der zweite Clip die Band stärker in ihrer klassischen Metal-Mechanik: treibender Puls, melodische Gitarrenlinien und diese NWOBHM-nahe Vorwärtsbewegung, die das Album immer wieder erdet.

Zieht euch hier den Clip zu Autumn Winds rein!

Unsere Wertung:

Bewertung: 4.5 von 5.

Unser Fazit:

Groß, griffig, überraschend menschlich

„The Year of Aquarius: Only Poetry Lives Forever“ ist episch, aber nicht aufgeblasen; virtuos, aber nicht verkopft. Die Platte lebt von ihrer kontrollierten Größe, von Hooks mit Langzeitwirkung und von einem Sounddesign, das Atmosphäre schafft, ohne das Riff-Fundament zu kaschieren. Soldiers Of Forgiveness liefern damit ein Konzeptalbum, das nicht nur beeindruckt, sondern auch hängen bleibt – weil es hinter dem Bombast echte Emotion und Konsequenz zeigt.

Kritik von: Philipp „Pfnörki“ Gottfried

Mehr zu Soldiers Of Forgiveness im Netz:

Soldiers Of Forgiveness bei Instagram:
https://instagram.com/soldiers4give

Soldiers Of Forgiveness bei den (Musik)diensten:
https://linktr.ee/soldiers4give

Soldiers Of Forgiveness bei Spotify anhören:
https://open.spotify.com/artist/2M5Fdo4RMCxofPLgy05Uiv

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