Tinkicker packen auf „The Forbidden Fruit“ große Riffs, dunkle Stories und jede Menge Druck in eine Köstliche Metalfrucht (Musikvideoplaylist) [ Progressive metal | Heavy Metal | Hard Rock ]

Manche Bands klingen, als wollten sie beeindrucken. Tinkicker klingen eher so, als wollten sie dir mit einem sehr kontrollierten Grinsen die Tür zur schummrigen Familiengruft aufhalten. Auf „The Forbidden Fruit“ packen die Dänen genau jene Mischung aus Progressive Metal, Heavy Metal und Hard Rock aus, die gleichzeitig Druck macht, Atmosphäre aufbaut und genug melodisches Gespür besitzt, um sich nicht im eigenen Anspruch zu verheddern. Der alte Beiname „Pink Sabbath“ fällt da nicht zufällig, und auch der Verweis darauf, dass Tinkicker einst als erste dänische Band von Rockkritiker Geoff Barton für eine Album-des-Jahres-Nominierung im Classic Rock Magazine vorgeschlagen wurden, wirkt alles andere als dekoratives Namedropping. „The Forbidden Fruit“ ist eine EP, die toxische Beziehungen, familiäre Zerrbilder und emotionale Vergiftung in einen Sound gießt, der schwer, düster und trotzdem erstaunlich eingängig bleibt.

Schaut die Clips zu den Songs und kostet „The Forbidden Fruit“ von Tinkicker

Schwere Kost mit Hirn

Das Schöne an Tinkicker ist, dass sie ihre progressive Seite nicht wie eine Trophäe vor sich hertragen. Auf „The Forbidden Fruit“ wird nicht geschniegelt gefrickelt, sondern mit Sinn für Dramaturgie gebaut. Die Songs haben Kontur, die Arrangements greifen sauber ineinander, und das Sounddesign sitzt genau da, wo es sitzen muss: druckvoll, dunkel und detailreich, ohne steril zu wirken. Die Gitarren stehen breit im Mix, der Bass hält den Unterbau angenehm satt, und die Drums treiben die Stücke mit genau dem richtigen Maß an Nachdruck voran. Dazu kommt Klaus Bastian, dessen tiefe Stimme in diesen düsteren, schweren Sound perfekt eingebettet ist. Er trägt die Songs nicht nur, er verleiht ihnen jene dunkle Gravität, die aus guten Stücken erst wirklich zwingende macht.

„He Said She Said“ öffnet die Wunde

Der Opener „He Said She Said“ legt mit einer leicht schlierigen Synth-Atmosphäre los, als wolle er kurz Höflichkeit heucheln, bevor die Band das Messer ansetzt. Dann fährt der Song seinen druckvollen Midtempo-Groove auf und zeigt sofort, wie stark Tinkicker in Sachen Komposition und Arrangement aufgestellt sind. Die Gitarren von Søren Lindberg und Kristian Møller arbeiten präzise, das Solo sitzt punktgenau, und der Refrain hat genau die Art Ohrwurmqualitäten, die man bei düsteren Songs besonders gern mitnimmt. Inhaltlich geht es um eine Beziehung, in der Lügen, Gerüchte, Kränkungen und obsessive Kontrolle längst jedes gesunde Maß pulverisiert haben. Das Stück wirkt dadurch nicht bloß finster, sondern unangenehm nah dran am realen emotionalen Scherbenhaufen.

„Mother Valium“ kriecht unter die Haut

Mit „Mother Valium“ wird es noch beklemmender. Der Einstieg mit sanfterem Instrumentarium und dunklen Keyboardfarben wirkt fast unschuldig, aber genau das macht den Song so stark: Er schleicht sich an, statt sofort zuzuschlagen. Nach und nach baut sich das Stück zu einem schweren Prog-Metal-Track auf, der Melancholie, innere Unruhe und massive Dynamik zusammenführt. Klaus Bastian zeigt hier, wie gut seine Stimme auch in ruhigeren Passagen funktioniert, ehe das Arrangement anzieht und die Gitarren mit epischen Soli glänzen dürfen. Textlich zeichnet der Song das Bild einer Mutterfigur, hinter deren religiöser Fassade Verdrängung, geistiger Zerfall und familiäre Verstörung lauern. Das ist unerquicklich, aber genau deshalb so wirkungsvoll.

Copyright: Tinkicker gepostet mit Genehmigung durch NRT-Records

„Spitting Venom“ tritt die Tür ein

„Spitting Venom“ schaltet anschließend einen Gang hoch und liefert die wohl bissigste Nummer der EP. Die Drums gehen mit Zug nach vorne, die Riffs packen härter zu, und die Band zeigt, dass sie Geschwindigkeit und Komplexität ziemlich elegant miteinander verzahnen kann. Gerade hier wird deutlich, wie gut Tinkicker ihren Sound im Griff haben: verschachtelt, aber nicht verkopft, druckvoll, aber nie plump. Die düsteren Synth-Akzente bleiben im Hintergrund und geben dem Stück zusätzliche Tiefe, ohne den Rock- und Metal-Kern zu verwässern. Inhaltlich geht es um vergiftete familiäre Muster, narzisstische Prägung und die schmerzhafte Einsicht, dass man den eigenen Herkunftsschatten nicht einfach abschüttelt. Genau diese Mischung aus Wut und Selbstbefragung macht den Song so packend.

Der Absturz kommt mit Melodie

Am stärksten zieht die EP dann in die graue Zone zwischen Resignation und innerem Krach, wenn „There’s Not Enough Drugs In The World“ einsetzt. Der Titel hat zwar einen trockenen Galgenhumor, musikalisch fährt die Band hier aber ein ernsthaft schweres, schwermütiges Stück auf, das mit Akustikmomenten, Prog-Rock-Struktur und einer feinen Doom-Metal-Schlagseite arbeitet. Gerade diese doomige Note steht dem Song hervorragend, weil sie die Melancholie nicht illustriert, sondern regelrecht in den Mix einbetoniert. Inhaltlich geht es um Selbstmedikation, Erinnerungsschmerz und die frustrierende Erkenntnis, dass man gewisse seelische Narben weder mit Substanzen noch mit Trotz zum Schweigen bekommt. Zum Abschluss liefert „Neon Lights And Transvestites (Live)“ dann noch einen handfesten Live-Nachschlag, der zeigt, dass Tinkicker ihre dramatische Handschrift auch auf der Bühne überzeugend ausspielen können.

Ein Release, der nicht nur anklopft

„The Forbidden Fruit“ ist keine EP, die höflich um Aufmerksamkeit bittet. Sie nimmt sie sich. Tinkicker verbinden starke Kompositionen, ein durchdachtes Sounddesign, wirkungsvolle Arrangements und eine markante Gesangsleistung zu einem Release, der ebenso atmosphärisch wie griffig wirkt. Gerade weil die Band nie bloß auf Härte oder bloß auf Anspruch setzt, sondern beides sauber zusammenführt, bleibt hier mehr hängen als nur ein paar gute Riffs. Das ist dunkle, druckvolle und emotional aufgeladene Musik mit echtem Eigenprofil.

Unsere Wertung:

Bewertung: 4.5 von 5.

Unser Fazit:

Tinkicker liefern mit „The Forbidden Fruit“ eine starke EP, die Biss, Atmosphäre und kompositorische Klasse in ein verdammt stimmiges Format gießt. Wer schweren Prog mit dunkler Seele, markanter Stimme und ordentlich Druck mag, dürfte hier sehr schnell anbeißen.

Trackliste

  1. He Said She Said
  2. Mother Valium
  3. Spitting Venom
  4. There’s Not Enough Drugs In The World
  5. Neon Lights And Transvestites (Live)

Credits

Interpret: Tinkicker
Titel: „The Forbidden Fruit“
Herkunft: Kopenhagen, Dänemark
Format: Digitale EP | Bandcamp-Download inkl. Bonusfeatures
VÖ: 27. März 2026
Genre: Progressive Metal | Progressive Rock | Hard Rock
Label: NRT-Records

Besetzung:

Klaus Bastian – Gesang, Gitarre
Søren Lindberg – Gitarre
Kristian Møller – Gitarre
Anders Oehlenschlæger – Bass
Klaus Herfort – Schlagzeug

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