Die Enterbten bringen mit „Bock Auf Dieses Leben“ frischen Neonpunk zwischen Trotz und Aufbruch (Musivideo) [ Artpunk | New Wave | Punk ]

Hachja Karfreitag, heute herrscht ja Tanzverbot! Denkste! Denn diesem widersetzt man sich heute gern, denn Die Enterbten liefern mit ihrer neuen EP „Bock Auf Dieses Leben“ genau den passenden Soundtrack für alle, die auf stillsitzende Feiertagsandacht gerade herzlich wenig Lust haben. Die Neonpunk-Truppe aus Brühl und dem Raum Köln schickt drei Songs ins Rennen, die zwischen New Wave, Art-Punk und Alternative pendeln, dabei aber nie wie ein abgestaubtes 80er-Zitat wirken. Gleichzeitig gibt es auch noch das Video zum Titeltrack „Bock Auf Dieses Leben“ hinterher – und das macht die Sache gleich doppelt rund.

Schaut hier den Clip „Bock Auf Dieses Leben“ von Die Enterbten

Tanzverbot? Nicht mit diesen Neonpunks

Die Enterbten machen aus ihrer Haltung kein großes Kunststück, sondern lieber Songs, die direkt vor die Brust gehen. Auf „Bock Auf Dieses Leben“ trifft Optimismus auf Kante, Selbstbestimmung auf Bewegung und eine Portion Ironie auf den nötigen Schuss Ernst. Der Titelsong ist dabei kein weichgespülter Durchhalte-Slogan, sondern ein flotter, angenehm ruppiger Aufruf, dem Leben auch dann nicht die kalte Schulter zu zeigen, wenn es gerade mal querliegt. Statt Trübsal gibt es hier Schwung, statt Selbstmitleid lieber ein bisschen Neonglitzer mit blauem Lippenstift!

Fotocopyright: Lisa Berg

Musikalisch sitzt das ziemlich gut. Gitarren, Keyboardflächen und Rhythmussektion greifen so ineinander, dass der Song sofort Zug entwickelt, ohne plump nach vorne zu prügeln. Diese Mischung aus tanzbarer Nervosität und rotziger Lockerheit funktioniert, weil Die Enterbten ein Gespür dafür haben, wann ein Refrain knallen muss und wann es reicht, einfach den richtigen Ton zu treffen. Genau deshalb bleibt „Bock Auf Dieses Leben“ hängen – nicht als hohle Parole, sondern als Song mit Biss.

Hört hier die EP „Bock Auf Dieses Leben“ von Die Enterbten

Zwischen Aufbruch, Trotz und einem Augenzwinkern

Die eigentliche Stärke dieser EP liegt darin, dass sie ihre Themen klar formuliert, ohne daraus platte Parolen zu basteln. „Bock Auf Dieses Leben“ setzt auf Zuversicht, aber eben nicht auf die Sorte, die wie ein Kühlschrankmagnet klingt. Hier geht es darum, weiterzumachen, loszulassen, sich nicht vom eigenen Ballast erdrücken zu lassen und im Zweifel lieber einen Schritt nach vorne als zwei zurück zu gehen. Dass Die Enterbten dabei Humor und Ironie nicht außen vor lassen, macht die Sache nur umso angenehmer.

Mit „Mädchen“ bekommt die EP dann einen Song, der seine Botschaft deutlich formuliert, ohne in billige Schlagworte auszuweichen. Das Stück ist ein klares Statement für Gleichstellung, Selbstvertrauen und die Absage an sexistische Rollenbilder. Gut daran ist vor allem, dass der Song nicht doziert, sondern zieht. Er will nicht belehren, sondern stärken. Genau so bleibt die Nummer wirksam. Und dass „Mädchen“ ursprünglich für Rockgören gedacht war, hört man dem Song nicht als Fremdkörper an – im Kosmos von Die Enterbten sitzt das komplett an seinem Platz.

Mit einem Gruß an Nina Hagen, aber ohne Kopie

Klar, die Referenzen liegen auf dem Tisch. Wer bei Die Enterbten an die Nina Hagen Band, Ideal oder auch mal an den schrägen Charme von Blondie denkt, liegt nicht komplett daneben. Aber genau da hört es eben nicht auf. Die Band nimmt sich dieses 80er-Flair, dreht es durch den eigenen Wolf und baut daraus etwas, das nicht nach Archivstaub, sondern nach Gegenwart klingt. Diese Songs wollen nicht museal bewundert, sondern gespielt, gehört und live gespürt werden.

Die Enterbten – Copyright: Lisa Berg

Das passt auch zur Bandgeschichte. Seit 2023 unterwegs, mit Wurzeln in anderen Projekten und reichlich Live-Erfahrung im Gepäck, wirken Die Enterbten nicht wie ein schnell zusammengebautes Konzept, sondern wie eine Formation, die längst verstanden hat, wo sie hinwill. Gerade deshalb funktioniert der selbstgewählte Begriff Neonpunk ziemlich gut: bunt genug für starke Bilder, kantig genug für Haltung und offen genug, um musikalisch nicht an einer Stelle festzukleben.

Drei Songs, kein Leerlauf

Auch „Einzigartig“ macht auf der EP eine gute Figur und rundet das Ganze sinnvoll ab. Der Song setzt stärker auf Identität und Eigenwert, bleibt dabei aber angenehm nahbar. Zusammen mit „Bock Auf Dieses Leben“ und „Mädchen“ ergibt das eine kleine, aber sehr geschlossene Veröffentlichung, die genau das tut, was eine erste EP tun sollte: Profil zeigen, Lust auf mehr machen und keinen unnötigen Ballast mitschleppen. Drei Tracks, drei klare Aussagen, kein Füllmaterial.

Ein gelungener Vorgeschmack auf „Niemals zu spät“

Als Vorbote für das am 26. Juni 2026 angekündigte Debütalbum „Niemals zu spät“ funktioniert „Bock Auf Dieses Leben“ ausgesprochen gut. Die EP zeigt, dass Die Enterbten nicht nur ein hübscher Bandname mit Neonlicht ist, sondern eine Truppe mit klarer Handschrift, brauchbaren Hooks und einem sehr soliden Gespür für Themen, die nicht banal klingen sollen. Wer female-fronted Punk mit New-Wave-Kante, Energie und eigener Note sucht, hat hier einen ziemlich guten Grund, diese Band ab sofort im Blick zu behalten.

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