Immunity: Geben mit „The Dark Side Of The Moon“ Modern Metal – bzw. Metalcore at it’s Best! (Musikplaylist) [ Modern Metal | Metalcore ]

Manche Metalcore-Alben wollen um jeden Preis größer klingen, als ihre Songs eigentlich sind. Immunity gehen auf „The Dark Side Of The Earth“ einen besseren Weg: Die Band aus Nürnberg setzt auf Druck, Atmosphäre und sauber ausgearbeitete Melodien, ohne die eigene Härte weichzuspülen. Zwischen wuchtigen Gitarren, elektronischen Schattenflächen, präziser Rhythmik und den vielseitigen Vocals von Dominik Maiser entsteht ein Album, das emotional dicht, modern produziert und kompositorisch erstaunlich zielstrebig wirkt. Kein überladener Selbstmitleids-Trip, sondern ein kontrollierter Absturz mit Struktur.

Hört hier das Album „The Dark Side Of The Earth“ von Immunity an.

Wenn der Schatten Groove bekommt

„Cold Case“ eröffnet „The Dark Side Of The Earth“ mit genau jener Mischung aus Schärfe und Kontrolle, die diesem Album guttut. Die Gitarren von Adrien Dembowski sägen nicht blind durch die Gegend, sondern setzen ihre Riffs punktgenau dorthin, wo der Song sie braucht. Darunter arbeiten Bass und Drums mit kräftigem Vortrieb, während die Produktion den modernen Charakter der Band sofort offenlegt. Das klingt breit, aber nicht aufgeblasen; dicht, aber nicht zugemauert. Besonders stark ist, wie früh Immunity ihr Gespür für Kontraste zeigen: Brutale Ausbrüche, offene melodische Passagen und elektronische Details greifen sauber ineinander. „Panic Room“ erhöht anschließend den Druck und wirkt wie ein Song, der seine Panik nicht nur behauptet, sondern rhythmisch greifbar macht. Der Track stolpert nicht hysterisch durch seine eigene Nervosität, sondern kanalisiert sie in präzise gesetzte Energie. Das ist moderner Metalcore, der seine Produktion ernst nimmt, aber die Songstruktur nicht dem Studio-Glanz opfert.

Schaut hier das Video zu „Cold Case“ von Immunity

Refrains mit Narben, Breakdowns mit Verstand

Mit „We Are All Mad Here“ findet das Album früh zu einem seiner eingängigsten Momente. Der Song besitzt einen starken Refrain, vermeidet aber den Fehler, seine Härte nur als Vorwand für die nächste große Hook zu benutzen. Stattdessen bleibt der Unterbau kantig, die Gitarrenarbeit wachsam und das Schlagzeug druckvoll. Genau hier merkt man, dass Immunity nicht bloß an einzelnen Effekten basteln, sondern komplette Songs denken. „Unhinged“ geht noch tiefer in diese innere Zerrissenheit hinein. Dominik Maiser wechselt zwischen Clean-Gesang, Screams und Shouts mit überzeugender Kontrolle, ohne dass die Wechsel wie ein technischer Leistungskatalog wirken. Der Song atmet Wut, Überforderung und Verletzlichkeit, bleibt dabei aber klar komponiert. Die melodischen Linien schneiden durch die massiven Gitarrenwände, während die elektronischen Elemente eine kühle Unruhe hineinziehen. Das ist starkes Sounddesign, weil es Atmosphäre erzeugt und nicht bloß moderne Oberflächenästhetik simuliert. Auch „Ghosts“ profitiert von dieser Herangehensweise: Die Nummer wirkt düsterer, schleichender und etwas weniger unmittelbar, gewinnt aber gerade dadurch an Nachhall. Wo andere Bands in solchen Momenten zur großen Pathos-Kelle greifen, arbeiten Immunity mit Spannung, Raum und kontrollierter Schwere.

Schaut hier das Lyric- und Singthrough-Video zu „Unhinged“ von Immunity

Die zweite Hälfte zieht die Schrauben an

„A Tale“ dient als kurzer atmosphärischer Schnitt, bevor „Of War And Peace“ das Album wieder größer aufzieht. Das Feature mit Lina Benabdesslem von Parallyx sorgt für eine zusätzliche Farbe, die dem Song gutsteht. Die weibliche Stimme wirkt nicht wie eine dekorative Gastrolle, sondern erweitert die emotionale Perspektive. Dadurch entsteht ein Spannungsfeld, das der Nummer mehr Tiefe gibt und die dramatische Anlage des Albums sinnvoll fortführt. „Vultures“ setzt danach stärker auf Angriff. Hier spielen Immunity ihre rhythmische Präzision aus: Das Riffing greift hart zu, die Drums treiben nach vorn, und die Vocals behalten auch in den härteren Passagen ihre Kontur. Besonders auffällig bleibt die Produktion von Christoph Wieczorek bei Sawdust Recordings. Sie stellt die Band nicht unter eine sterile Glasglocke, sondern gibt den Songs Druck, Transparenz und Tiefe. „The Fire Inside“ hält den Spannungsbogen im letzten Drittel hoch und zeigt noch einmal, wie gut Immunity melodische Passagen in ein schweres Gesamtbild integrieren können. „Addicted To The Pain“ schließt das Album mit passender Konsequenz: keine billige Erlösung, kein versöhnliches Ausblenden, sondern ein Finale, das den Schmerz als Energiequelle begreift. Kleine Abzüge gibt es höchstens dort, wo einzelne Refrain-Muster vertraut wirken. Doch selbst dann retten Komposition, Sounddesign und spielerische Präzision die Songs klar über den Durchschnitt.

Schaut hier das Video zu „Of War And Peace“ von Immunity feat. Parallyx
Schaut hier das Video zu „Vultures“ von Immunity

Unsere Wertung:

Bewertung: 4.5 von 5.

Unser Fazit:

Immunity liefern mit „The Dark Side Of The Earth“ ein starkes modernes Metalcore-Album, das vor allem durch seine Balance überzeugt. Die Band kann hart zuschlagen, melodisch öffnen und elektronische Elemente stimmungsvoll einsetzen, ohne den roten Faden zu verlieren. Besonders die Kombination aus den variablen Vocals von Dominik Maiser, der atmosphärischen Gitarrenarbeit von Adrien Dembowski und der druckvollen Produktion macht diese Platte hörenswert. Nicht jeder Moment erfindet das Genre neu, aber fast jeder Moment sitzt. Immunity zeigen technisches Können, kompositorisches Gespür und ein feines Händchen für Sounddesign. Wer modernen Metalcore mit emotionalem Gewicht, klaren Hooks und sauber dosierter Härte sucht, sollte dieses Album nicht übergehen.

Mehr zu Immunity im Netz

Immunity – Offizielle Webseite:
https://immunityband.de/

Immunity bei Apple Music anhören:
https://music.apple.com/us/album/dark-side-of-the-earth/1774305417

Immunity bei Spotify anhören:
https://open.spotify.com/artist/2LIwsjNiEbB5H9QU9uqFWB

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