Raus aus der Komfortzone – Punk schaut dem Jazz in die Augen [ Review | Punk | Jazz Punk | Punkrock ]

Mit „Spiel doch mal Jazz“ legt Zwakkelmann keinen klassischen Punkrock-Track vor, sondern einen selbstironischen Spiegel. Der Song wirkt wie ein Schulterklopfen und eine Ohrfeige zugleich: vertraut im Sound, unbequem in der Aussage. Hier geht es nicht um Anbiederung, sondern um ehrliche Selbstkritik aus dem Inneren der Szene.

Routine, Reibung und ein augenzwinkernder Befreiungsschlag

Musikalisch bleibt Zwakkelmann fest im Punk verwurzelt, lässt aber im Refrain bewusst jazzige Farben aufblitzen. Genau dort entfaltet der Song seine eigentliche Stärke: Er spielt mit Erwartungshaltungen und macht die eigene Monotonie zum Thema. Harte Gitarren, bekannte Strukturen und bewusst überspitzte Textzeilen sezieren das ewige Wiederholen derselben Akkorde, derselben Reime, derselben Formeln.

Der Text ist direkt, bissig und selbstentlarvend. Zeilen über abgenutzte Phrasen, vorhersehbare Songstrukturen und den Mut, den man so oft vor sich herschiebt, treffen einen wunden Punkt – nicht nur bei Musikerinnen, sondern auch bei Hörerinnen. „Spiel doch mal Jazz“ ist dabei weniger Aufforderung als Symbol: für Risiko, für Kontrollverlust, für das Verlassen sicherer Pfade. Punk wird hier nicht verraten, sondern weitergedacht.

Fazit: Punk bleibt Punk – wenn er sich bewegt

Spiel doch mal Jazz“ ist kein Stilwechsel, sondern ein Denkanstoß mit verzerrter Gitarre. Zwakkelmann beweist, dass Punkrock dann am stärksten ist, wenn er sich selbst infrage stellt. Ein kluger, humorvoller und unangenehm ehrlicher Song, der hängen bleibt – nicht wegen eines großen Refrains, sondern wegen seiner Haltung.

Otte’s MEINUNG

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