Die Liebe ist weg, die Anlage bleibt an. Dathomirror Doors liefern mit „Abandon Love“ die passende Begleitung für einen Abend, an dem freundliche Ratschläge bitte draußen warten dürfen. Fünf Songs, knapp zwanzig Minuten und eine ziemlich überzeugende Verbindung aus Gothic Rock, metallischer Schärfe und elektronischen Farben: Joey Depp und Ant Demico haben ein Händchen dafür, schlechte Gefühle in gute Musik zu verwandeln. Und zwar mit einem fantastischen Gespür für Sounddesign. Hier sitzt die Dunkelheit tief in den Songs. Waschechter Goth eben, mit Atmosphäre, Nachdruck und ordentlich Charakter.
Hall drauf, Gefühl rein
Goth lebt von Räumen. Von der Entfernung zwischen einer Stimme und ihrem Echo, von Gitarren, die eine Stimmung aufziehen, und von einem Rhythmus, der diese Stimmung in Bewegung hält. Genau dieses Zusammenspiel macht den Reiz von „Abandon Love“ aus. Die EP verbindet räumliche Weite mit greifbarem Druck. Ihre elektronischen Anteile erweitern das Klangbild, während die metallischen Momente für den nötigen Biss sorgen. Das ist eine ausgesprochen gelungene Mischung, weil sie sowohl zum Eintauchen als auch zum Mitgehen einlädt.
Schon der Titeltrack steckt dieses Gelände überzeugend ab. Die weit ausgreifenden Gitarren treffen auf eine unruhige rhythmische Grundlage; darüber bekommt das verlorene Vertrauen eine Stimme. Der schöne Widerspruch: Inhaltlich wird hier zugemacht, klanglich geht ein Raum auf. Das gibt dem Stück seinen Reiz. Die Musik bietet Platz für die Gefühle, die der Titel am liebsten vor die Tür setzen würde. So darf eine EP anfangen: mit einem klaren Profil und genug Spannung, um neugierig auf den nächsten Song zu machen.
„Burned Alive“ nimmt anschließend etwas Härte heraus. Wiederkehrende Gesangslinien und deutlicher Hall verschieben den Schwerpunkt zur Atmosphäre. Gerade dieser Schritt verdient Lob. Wer nach dem Auftakt sofort noch lauter werden würde, hätte seine Möglichkeiten schnell ausgereizt. Dathomirror Doors gönnen dem Material dagegen einen anderen Zugriff. Der Hall ist dabei ein wichtiger Teil des Ausdrucks: Er verlängert die Wirkung der Stimme und gibt der düsteren Stimmung Raum. Das Sounddesign denkt mit.
Komponieren heißt auch: wissen, wann man nachlegt
Auch kompositorisch hat die EP eine Menge auf ihrer Seite. Die Stücke teilen eine erkennbare Grundhaltung, setzen ihre Schwerpunkte aber unterschiedlich. Atmosphäre, rhythmischer Zug und Härte dürfen sich abwechseln. Dadurch ergibt sich eine nachvollziehbare Bewegung über die fünf Songs hinweg. Ein gutes Händchen für Komposition zeigt sich schließlich auch darin, wie man mit vertrauten Mitteln Spannung hält. Hier passt die Dosierung.
„Die Alone“ bringt bestimmteren Bass, druckvollere Rhythmik und aggressiveren Gesang ins Spiel. Nach dem atmosphärischeren Vorgänger bekommt die EP damit wieder mehr Kante. Die Stimme trägt wesentlich dazu bei: Ihr schärferer Zugriff gibt der musikalischen Verdichtung ein passendes Gegenüber. Das Zusammenspiel wirkt schlüssig, weil die einzelnen Elemente dieselbe Richtung einschlagen. So gewinnt Härte einen Anlass und bleibt als Teil des Songs nachvollziehbar.
Mit „Evil Spell“ wird anschließend noch kräftiger angezogen. Der dröhnende Beginn bereitet den besonders harten Abschnitt der Veröffentlichung vor. Innerhalb der Reihenfolge sitzt dieser Moment genau richtig. Die EP hat ihre atmosphärische Seite bereits gezeigt und kann nun beherzter zupacken. Das macht ihre metallischen Anteile so willkommen: Sie geben dem Goth zusätzliche Schärfe. Ein bisschen knirschen darf es schließlich, wenn der Haussegen ohnehin längst schief hängt.
Schwarz steht diesen Songs ausgezeichnet
Was Dathomirror Doors für Freunde düsterer Musik so interessant macht, ist die Selbstverständlichkeit dieser Verbindung. Der Goth-Charakter steckt im Verhältnis von Raum, Stimme und Spannung. Er bleibt auch dort erhalten, wo die Musik härter wird. Diese Konsequenz überzeugt. Man muss hier keine bestimmte Frisur vorweisen und auch keine Szeneprüfung bestehen. Wer an ausdrucksstarker, dunkler Rockmusik Freude hat, findet reichlich Anknüpfungspunkte.
Natürlich sparen die Titel nicht mit großen Gesten. Lebendig verbrannt, allein sterben, böser Zauber: Die Einladung zum gemütlichen Kaffeetrinken sieht anders aus. Innerhalb dieser Ästhetik darf das aber ruhig sein. Solche Bilder leben von ihrer Übertreibung. Entscheidend ist, ob die Musik ihnen einen passenden Ausdruck gibt. Mit der Abstufung zwischen Atmosphäre und Angriff bietet „Abandon Love“ dafür einen überzeugenden Rahmen. Das Pathos bekommt musikalischen Rückhalt.
„Suffer You Will“ schließt die EP mit rhythmischer Präzision und schneidender Gesangsdarbietung ab. Die gezielten Akzente passen bestens zu diesem bissigen Schlusswort. Zugleich zeigt sich daran noch einmal, wie wichtig die Gestaltung des Klangbilds für diese Veröffentlichung ist. Druck und Atmosphäre gehören zusammen. Dass Joey Depp auch Mix und Mastering in den Dathomirror Studios übernommen hat, verdient deshalb ausdrücklich Erwähnung. Dieses Gespür für die Wirkung der einzelnen Bestandteile gehört zu den großen Pluspunkten der EP.
Nach 19 Minuten und 42 Sekunden ist dann Schluss. Eine angenehme Portion: genug, um das Profil des Duos kennenzulernen, und kompakt genug, um gleich wieder vorne anzufangen. Besonders lobenswert bleibt die Konzentration auf das Zusammenspiel der Songs. Statt jede Idee gleichzeitig auszupacken, setzt die EP auf verschiedene Intensitäten innerhalb ihrer dunklen Klangwelt. Das ist gut komponiert, wirkungsvoll gestaltet und macht Lust auf weitere Veröffentlichungen.
Unsere Wertung:
Unser Fazit:
Dathomirror Doors liefern mit „Abandon Love“ eine starke EP für alle, die Goth mit Atmosphäre und Biss mögen. Das fantastische Sounddesign gibt den Songs räumliche Tiefe, die Kompositionen setzen ihre Steigerungen sinnvoll, und die metallischen Spitzen passen hervorragend ins Gesamtbild. Besonders schön ist das Gefühl für unterschiedliche Intensitäten: vom atmosphärischeren „Burned Alive“ bis zur Härte von „Evil Spell“. Hier versteht ein Duo, wie dunkle Rockmusik Wirkung entwickelt. Waschechter Goth mit einem überzeugenden eigenen Auftritt – darf sehr gern noch eine Runde laufen!

Releaseinformationen
Interpret: Dathomirror Doors
Titel: Abandon Love
Format: EP | Digital
Veröffentlichung: 11. September 2026
Umfang: 5 Titel
Spielzeit: 19:42 Minuten
Genre: Gothic Rock | Gothic Metal
Herkunft: USA
℗ 2026 Dathomirror Doors
Titelliste
01. Abandon Love
02. Burned Alive
03. Die Alone
04. Evil Spell
05. Suffer You Will
Mitwirkende und Produktion
Besetzung:
Joey Depp
Ant Demico
Mix und Mastering: Joey Depp
Studio: Dathomirror Studios
Über Dathomirror Doors
Dathomirror Doors sind ein amerikanisches Duo aus Joey Depp und Ant Demico. Ihre Musik verbindet Gothic Rock mit Metal- und Elektronikelementen. Die fünfteilige EP „Abandon Love“ erschien im September 2026.
Mehr zu Dathomirror Doors im Netz
Joey Depp bei Instagram:
https://www.instagram.com/joeydeppofficial/
Abandon Love bei Apple Music:
https://music.apple.com/us/album/abandon-love-ep/6811257992
Abandon Love bei Spotify:
https://open.spotify.com/album/7n91XePaDZARvLH6JMIrsf

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