Worship Files For Anthropophagolagnia Predators erscheint am 15. Februar 2026 ĂŒber Icelandic Fire Records â und es klingt exakt so, wie der Titel vermuten lĂ€sst: unerquicklich, abgrĂŒndig, kompromisslos. Northern Krig gehen nicht den Umweg ĂŒber âzeitgemĂ€Ăeâ Veredelung, sondern stellen rohen norwegischen Black Metal in den Raum wie eine Drohung. Keine stilistische Nebelkerze, kein âwir können auch andersâ. Stattdessen ein knapper, hochkonzentrierter Angriff, der in unter 30 Minuten mehr Druck erzeugt als manch ĂŒberlanger Genre-Trip mit ambitioniertem Ăberbau.

Roh ist hier keine Ausrede, sondern Haltung
Das Entscheidende: Diese Platte ist nicht roh, weil sie es nicht besser könnte. Sie ist roh, weil sie es so will. Der Sound wirkt wie ein bewusst unversöhnlicher Filter, der alles ĂberflĂŒssige abschabt und den Kern freilegt â Gitarren als frostige Wand, Drums als Dauerfeuer, Bass als schwarzer Teer darunter. Trotzdem kippt das Album nicht in formloses Scheppern. Im Gegenteil: Die Produktion hĂ€lt genug Kontur, damit Riffs nicht zu GerĂ€usch werden und ĂbergĂ€nge nicht dem Zufall ĂŒberlassen bleiben. Das Klangbild ist kalt, aber nicht blind. Und genau diese Mischung macht die AtmosphĂ€re so effektiv: nicht âschönâ im audiophilen Sinn, sondern rĂ€umlich wie ein feuchter Betonraum, in dem jeder Anschlag nachhallt und jede Pause wie ein kurzer Luftmangel wirkt.
Riffs mit Sog: Hypnose statt Hochglanz
Kompositorisch setzt Northern Krig auf ein Prinzip, das im Black Metal oft beschworen, aber selten so diszipliniert umgesetzt wird: Wiederholung als Sog. Die Gitarrenmotive sind nicht darauf angelegt, âcatchyâ zu sein, sondern dich festzunageln. Tremolo-Linien ziehen Kreise, kleine harmonische Verschiebungen lassen die Lufttemperatur kippen, und plötzlich wirkt ein scheinbar gleichbleibender Part wie eine neue Kammer desselben Labyrinths. Das ist keine Virtuosen-Show, sondern eine kontrollierte Spirale, in der minimalistische Mittel maximale Wirkung erzeugen. Gerade weil die Spielzeit kurz ist, wirkt jeder Aufbau zielgerichtet: Keine Ausformulierung um der Ausformulierung willen â nur Drucksteigerung, bis der nĂ€chste Schnitt sitzt.
Schlagzeug: PrÀzision am Rand des Kontrollverlusts
Die Drums sind ĂŒberwiegend im Hochdruckmodus unterwegs, aber sie funktionieren nicht als bloĂe Tempoanzeige. Der Clou liegt in der Art, wie das Schlagzeug die Dramaturgie steuert: kurze ZĂŒgelungen, bewusst gesetzte Akzente, ĂbergĂ€nge, die nicht âerklĂ€renâ, sondern âzwingenâ. Dadurch klingt das Album nicht wie eine endlose Blast-Schleife, sondern wie eine Folge von Eskalationsstufen. Wenn das Tempo einmal kurz zurĂŒckgenommen wird, entsteht keine Entspannung, sondern eine andere Form von Bedrohung â als wĂŒrde der Raum enger werden, bevor er wieder explodiert.
Vocals: Kein Frontmann, sondern ein zentral wichtiges Element
Der Gesang sitzt wie ein SĂ€urefilm ĂŒber dem Instrumental â nicht als prĂ€sente âLeadâ-Spur, sondern als giftige AtmosphĂ€re, die alles mitzieht. Hier wird nichts performt, hier wird ausgestellt: Hass, Verachtung, Leere, ein fast klinischer Nihilismus. Das passt zur musikalischen Ăsthetik, weil sich die Stimme nicht ĂŒber die Songs stellt, sondern als weitere Textur arbeitet. Man hat nie das GefĂŒhl, dass da jemand um Aufmerksamkeit ringt. Eher, dass jemand eine TĂŒr offen hĂ€lt, durch die es kalt hereinzieht.
Thematik: Abgrund als Dokument, nicht als Pose
Auch inhaltlich ist Worship Files For Anthropophagolagnia Predators eine Zumutung â und zwar eine, die sich nicht in billiger Provokation erschöpft. Die Platte kreist um Gewalt, Missbrauch, Entmenschlichung und das Bild eines âPredatorsâ, der Macht nicht sucht, sondern voraussetzt. Entscheidend ist dabei, wie die Band diese Themen rahmt: nicht als Horrorfilm-Ăsthetik fĂŒr den schnellen Schock, sondern als kalte Aktenlage. Der Albumtitel wirkt wie ein Dossier, das man nicht öffnen will, aber trotzdem öffnet â und genau so klingt die Musik. Sie liefert keine moralische Auflösung, keine Katharsis, keinen sicheren Abstand. Sie bleibt in der KĂ€lte, bis man sie spĂŒrt.
Warum das Album hÀngen bleibt
Die gröĂte StĂ€rke ist die Ăkonomie. Northern Krig dehnen nichts, erklĂ€ren nichts, lassen nichts ausfransen. Alles ist auf Wirkung getrimmt: Sounddesign als Waffe, Riffing als Schraubstock, Drums als Motor, Vocals als Giftgas. Gleichzeitig wirkt das Material nicht beliebig. Im Gegenteil: Gerade die Kontur im Arrangement und die Konzentration auf klare kompositorische Funktionen heben das Album von vielen âraw um jeden Preisâ-Veröffentlichungen ab. Hier steckt Handwerk drin â und der Mut, es nicht auszustellen.
Unsere Wertung:
Unser Fazit:
Worship Files For Anthropophagolagnia Predators ist roher norwegischer Black Metal in Reinform: kurz, erbarmungslos, atmosphĂ€risch erdrĂŒckend. Keine Modernisierung, keine Versöhnung, kein Augenzwinkern. Wer Black Metal als komfortablen Stil liebt, wird sich daran stoĂen. Wer ihn als feindliche Umgebung versteht, bekommt ein Album, das genau das liefert: KĂ€lte, Druck und Konsequenz â bis zum letzten Anschlag.
Kritik von Philipp Gottfried
Mehr zu Northern Krig im Netz:
Northern Krig bei Instagram:
https://www.instagram.com/northern_krig_official/
Northern Krig bei Spotify anhören:
https://open.spotify.com/artist/5sRhuVJ6kXv07LY4QtfKFs
Northern Krig â CD Store:
https://coldnorthernbreeze.bigcartel.com/

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