Dyed In Grey entfesseln mit „Harbinger“ ein düsteres Prog-Monument voller Druck, Präzision und Sogwirkung (Musikplaylist) [ Progressive Metal | Djent | Extreme Metal ]

Dyed In Grey drehen mit Harbinger die Schraube nicht einfach „härter“, sondern dichter: Die New Yorker Band wirkt hier wie ein Regisseur, der Spannung über Perspektiven, Tempo und Klangräume steuert – und nicht über das plumpe Prinzip „mehr Verzerrung gleich mehr Wirkung“. Wichtig für alle, die das im Kalender haben: Harbinger erscheint an diesen Freitag, dem 23. Januar 2026. Schon in den ersten Minuten wird klar, dass die Platte als geschlossene Dramaturgie gedacht ist: Motive tauchen auf, verschwinden, kehren verändert zurück – und erzeugen genau dieses Gefühl, dass unter der Oberfläche ständig etwas arbeitet.

Hört hier den Song „Descent“ und bereitet euch auf Harbinger vor!

Progressive Metal trifft auf Djent via extreme Metal

Musikalisch ist das Progressive Metal mit Einflüssen des Djent und Death, der seine Komplexität nicht vor sich herträgt. Verschobene Grooves und polyrhythmische Reibung werden bei Dyed In Grey zur Sprache, nicht zur Zirkusnummer. Das Schlagzeug klingt extrem kontrolliert, bleibt dabei aber lebendig – mit fein gesetzten Akzenten, kleinen „Atempausen“ und Übergängen, die nicht nach Klicktrack-Perfektion schreien, sondern nach Timing. Der Bass ist hörbar mehr als Fundament: warm, präsent, häufig mit melodischer Eigenständigkeit, die die Harmonien zusammenhält, wenn die Gitarren zwischen schimmernden Cleans und massiver Verzerrung pendeln. Genau dieser Spagat macht Harbinger so zwingend: Die Band kann wuchten, ohne zuzumauern, und sie kann aufmachen, ohne ins Beliebige zu kippen.

Dyed In Grey – Gepostet mit freundlicher Genehmigung durch die Band selbst.

Songs wie das Kapitel eines dunklen Narratives

Die Songs funktionieren dabei wie Kapitel eines dunklen Narrativs, ohne dass das Album in eine klassische Track-für-Track-Formel rutscht. „Sunbird“ setzt den Ton mit einem Mix aus Weite und latenter Bedrohung, während „Ascent“ stärker nach vorne drückt und die Balance aus melodischer Führung und aggressiver Zuspitzung beispielhaft ausspielt. In „Absinthe and Dead Butterflies“ wird das Ganze merklich schwerer: Die Atmosphäre wirkt wie gedimmt, die Spannung hängt länger in den Tönen, bevor sich das Gewicht der Heaviness entfaltet. „Mirrored Ruins“ punktet mit ritualhafter Wucht und einem erzählerischen Drive, der bis in die Leadarbeit hinein spürbar bleibt, während „Silent Symmetry“ die strukturelle Raffinesse der Band am klarsten auf den Punkt bringt – komplex, aber „singend“ gedacht. Wenn „Tempest“ das Album in einen massiven, körperlichen Nachdruck schiebt, wirkt „Static Tides“ wie das kontrollierte Nachglühen: weniger hektisch, dafür mit einer Klarheit, die nicht vereinfacht, sondern fokussiert. Und spätestens „Descent“ macht deutlich, dass Harbinger keinen bequemen Ausgang sucht – der Druck wird nicht als Finale-Effekt gesetzt, sondern als logische Konsequenz dessen, was das Album zuvor aufgebaut hat.

Dyed In Grey – copyright Dyed In Grey – gepostet mit freundlicher Genehmigung von der Band

Die Produktion lässt keine Wünsche offen

Die Produktion unterstützt diese Erzählweise perfekt: modern, präzise, transparent – aber nicht steril. Der Mix lässt Raum, statt ihn zuzuschütten, und gerade dadurch wirken die schweren Momente schwerer. Auch die Vocals sind ein zentraler Hebel: baritonale Nähe, klare Linien und aggressive Einsätze werden nicht als Show genutzt, sondern als dramaturgische Schaltstellen. Das Ergebnis ist eine Platte, die sowohl Detailhörer bedient als auch emotional greift – weil sie Technik nicht als Ziel, sondern als Mittel versteht.

Unsere Wertung:

Bewertung: 4.5 von 5.

Unser Fazit:

Dyed In Grey liefern mit Harbinger ein Album, das Progressive Metal als Spannungsarchitektur begreift: dicht komponiert, präzise gespielt, atmosphärisch dunkel aufgeladen – und trotzdem nie kalt. Die Platte hält den Fluss geschlossen, setzt Heaviness als Konsequenz und nicht als Pflicht, und belohnt sowohl konzentriertes Hören als auch das reine „Mitgerissenwerden“. Wer Prog sucht, der nicht nur beeindruckt, sondern festsetzt, wird an Harbinger lange zu knabbern haben.

Mehr zu Dyed In Grey im Netz:

Dyed In Grey bei Instagram:
https://www.instagram.com/dyedingrey/

Dyed in Grey bei Bandcamp:
https://dyedingrey.bandcamp.com/

Dyed In Grey bei Spotify anhören:
https://open.spotify.com/artist/1T8PR2VudWKHc1qoFO70um

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