Erwachsen im Gegenwind – BLAUFUCHS halten Kurs [ Review | Punk | Punkrock ]

Mit „Bis jetzt ging alles gut“ legen BLAUFUCHS ein zweites Album vor, das nicht jugendlich auf Krawall gebürstet ist, sondern gereift klingt. Einst als lautstarke Unterstützer der Kampagne Kein Bock auf Nazis gestartet, stehen heute andere Fragen im Raum: Familie, Verantwortung, politische Ohnmacht und die Suche nach dem eigenen Standort in einer Welt, die sich eher zurück- als vorwärts bewegt. Das Ergebnis ist Punkrock mit Weitblick – persönlich, politisch, präzise.

  https://open.spotify.com/intl-de/album/2gQlD7gSFbsV7QHOo9WeYl

Pop-Punk-Fundament, klare Haltung im Fokus

Musikalisch greifen BLAUFUCHS Einflüsse aus dem nordamerikanischen Pop-Punk auf, formen daraus jedoch keinen Abklatsch, sondern einen eigenständigen, druckvollen Sound. Eingängige Melodien treffen auf reflektierte Texte, die mehr erzählen als bloße Parolen. Hier geht es nicht um Revolutionsromantik, sondern um das Leben in den späten Dreißigern – mit all seinen Brüchen, Zweifeln und Verpflichtungen.

Thematisch zieht sich ein roter Faden durch das Album: die eigene Rolle in einer politisch aufgeheizten Gegenwart, die Biografie als Kompass und die Frage, wohin die Reise noch führen kann. Zwischen drastischer Bestandsaufnahme und leisen Zwischentönen bleibt stets ein Rest Zuversicht erhalten. Gerade diese Balance aus Ernüchterung und Hoffnung verleiht dem Werk Tiefe.

Auch die Gästeliste unterstreicht den Gemeinschaftsgedanken. Andi von Elfmorgen bereichert „In all diesen Jahren“, Georg von SOAB setzt im „Koordinatensong“ Akzente, und bei „Hinterland“ vereinen sich zahlreiche Stimmen – von Grundhass über Von Grambusch, Wonach Wir Suchen, Schrammen, Dorfterror, Dead End Kids bis Sokae – zu einem vielstimmigen Statement. Gerade dort, wo es um Solidarität mit Aktivist*innen geht, wird das Album zum kollektiven Signal.

Fazit: Mehr als nur Szene – ein Album mit Substanz

Mit „Bis jetzt ging alles gut“ zeigen BLAUFUCHS, dass Punkrock nicht an Jugend gebunden ist, sondern an Haltung. Das Album wirkt durchlebt, ehrlich und relevant. Es erzählt von Rückschlägen und Verantwortung, ohne in Resignation zu versinken. Ein Werk, das nicht laut um Aufmerksamkeit buhlt, sondern sie sich durch Inhalt und Integrität verdient.

Otte’s MEINUNG

Nach oben scrollen