Der Ole lädt nach Meerbusch und alle kommen
Zwei Tage, Sonne über Meerbusch und ein Plan, der fast schon untypisch klingt: Akustikfestival statt Chaosspiele. Der Ole – früher Frontmann von Massendefekt, heute bekannt für völlig durchgedrehte Konzertideen zwischen Kartbahn und Tischtennisplatte – wollte es diesmal „seriös“. Also: Gitarren runtergestimmt, Stecker raus, Emotion rein. Und trotzdem wurde es alles andere als brav.
Tag 1 startete direkt ohne großes Vorgeplänkel. Kaum Einlass, stand Tett, der Landstreicher auf der Bühne und erzählte in Songs aus seinem Leben – roh, ehrlich, nahbar. Das Publikum ging sofort mit. Danach übernahm Chris von der Düssel, ebenfalls solo, ebenfalls intensiv.
Mit The Angel Morts kam dann die erste Band auf die Bühne – es wurde etwas druckvoller, aber der akustische Rahmen blieb bestehen. Morea Remy, bekannt aus dem Umfeld von Ole, steuerte ein kurzes, feines Set bei. Spätestens bei Qukser füllte sich das Forum Wasserturm merklich, Mitmachparts griffen, die Stimmung zog an.

Dann kam der Moment, der sich schon vorher wie ein Gerücht angefühlt hatte: Die Parasiten. 2010 verabschiedet – und jetzt, 16 Jahre später, plötzlich wieder auf der Bühne. Die Halle: voll. Das Publikum: ein Mix aus alten Weggefährten, Familie, neuen Gesichtern. Und die Band? Lieferte 35 Minuten, die mehr waren als nur ein Comeback. Das war ein Wiedersehen, ein kollektives Erinnern – inklusive feuchter Augen und lauter Kehlen.
Danach ließ Der Ole mit Band die Energie oben, spielte ein stark gefeiertes Set, musste sich aber dem Zeitplan beugen – keine Zugaben. Datenschmutz setzten noch einen drauf, während Pino (ehemals Planlos) mit alten Songs einen Hauch Vergangenheit in die Halle brachte. Eigentlich sollten FaDuo den Abend abschließen, doch krankheitsbedingt wurde daraus FaSolo – ruhige, reduzierte Songs als versöhnlicher Ausklang eines intensiven ersten Tages.
Tag 2 begann früher – und genauso sonnig. 4 Zimmer Küche Bad eröffneten direkt mit Bandenergie, bevor Nina leisere, fast zerbrechliche Töne anschlug. Mit Evan Freyer wurde es wieder lebhafter, und Projekt K.O. brachten gleich eine eigene Fanbase mit, die ordentlich Stimmung machte.
Chucky und der Tobi lieferten als Duo charmante Punkhymnen, bevor Re:Wollte ostfriesischen Streetpunk ins akustische Gewand packten. Dann wieder Chaos mit Ansage: Dan Ganove und seine „musikalische Folter“. Zwischen Songs und Sprüchen lag das Publikum irgendwo zwischen Lachen und Luft holen – teilweise beides gleichzeitig.
Als zweite Band des Tages kehrte Der Ole mit Band zurück – anderes Set, gleiche Wirkung: frenetischer Applaus. Danach wurde es mit JNSN nochmal ruhiger, nur Stimme und Gitarre, bevor Ni Ju San das Tempo wieder anzogen.
Zwakkelmann (aka Schlaffke Wolff) und Vicky lieferten als vorletzter Act nicht nur bekannte Nummern, sondern auch vier neue Songs, die neugierig machten auf mehr. Den Abschluss übernahmen Alex und Julia mit gefühlvollen Duetten – ein ruhiger, passender Schlusspunkt nach zwei Tagen zwischen Gänsehaut und Grinsen.
Am Ende blieb ein Festival, das eigentlich „seriös“ sein wollte – und genau deshalb funktionierte. Weniger Strom, mehr Gefühl. Weniger Krach, aber mindestens genauso viel Wirkung. Meerbusch hat gezeigt: Punk funktioniert auch unplugged – und trifft manchmal sogar noch tiefer.















Text/Foto: Thomas Remer / http://konzertmedien.de

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